Salzburger verhinderten Abschiebung von Kosovaren

10. August 2001, 20:19
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Kriegsflüchtlinge können vorerst in Österreich bleiben -Bezirkshauptmann "überrascht vom zivilen Ungehorsam"

Salzburg - Am zivilen Widerstand einer österreichischen Familie scheiterte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Puch bei Hallein der Versuch, eine Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo mit vier Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren abzuschieben. Die Familie Pucher versteckte in einer dramatischen Aktion Mutter und Kinder vor der Polizei. Nur der 44-jährige Familienvater blieb in der Wohnung und wurde verhaftet. Er musste über Nacht in Schubhaft, wurde aber am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Behörde verzichtete auf die Abschiebung des bei einer Reinigungsfirma beschäftigten Familienerhalters. Nach Angaben der Anwältin der Kriegsflüchtlinge, Ingeborg Haller, sei aber ein Flug der gesamten Familie in den Kosovo schon aus medizinischen Gründen nie denkbar gewesen: Die von den Kriegswirren schwer traumatisierte Frau ist hochschwanger. Haller hat einen neuen Asylantrag gestellt und versucht für die Familie ein Bleiberecht aus humanitären Gründen zu erwirken. Bezirkshauptmann Klaus Aigner, dessen Behörde den Schubbescheid ausgestellt hatte, wurde vom zivilen Ungehorsam der Österreicher völlig überrascht. Er will jetzt gegen jene, "die uns die Frau entzogen haben", rechtlich vorgehen. Das Delikt: Beihilfe zum illegalen Aufenthalt. Die Kriegsflüchtlinge, die im April 1999 aus ihrem Heimatdorf vertrieben wurden und dabei ihr gesamtes Hab und Gut verloren, können freilich vorerst in Österreich bleiben; zumindest bis die Frau ihr fünftes Kind entbunden hat.

104 Flüchtlinge

Ohne gültige Papiere versuchten Freitagfrüh 104 Flüchtlinge nach Österreich einzureisen. Gendarmen nahmen sie bei Dürnkrut (NÖ) beim bislang größten Einzelaufgriff von Grenzgängern fest. Die Gruppe besteht zum Großteil aus afghanischen Großfamilien. Ein Schlepper hatte sie in einem Schlauchboot über die March transportiert, das er vom slowakischen Ufer aus mehrmals bis zum Äußersten beladen über den Fluss zog. (neu, jag/DER STANDARD, Print, 11.8.2001)

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