Israel kündigt Vergeltungsmaßnahmen an

9. August 2001, 16:45
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Kabinett berät - Palästinenser-Minister macht Sharon für Terroranschlag verantwortlich

Jerusalem/Ramallah - Die israelische Regierung hat nach dem schweren Terroranschlag in Jerusalem Vergeltung für die Bluttat angekündigt. "Israel muss antworten", sagte der israelische Kommunikationsminister Reuwen Riwlin in einer ersten Reaktion am Donnerstag. Die Palästinenser müssten den Preis für die Politik ihrer Führung bezahlen. Ministerpräsident Ariel Sharon hat eine Krisensitzung des Kabinetts einberufen. Bei dem Selbstmordattentat eines Jihad-Terroristen wurden nach offiziellen Angaben mindestens 17 Menschen getötet, andere Berichte sprechen von bis zu 19 Toten.

Die Bombe explodierte in einem italienischen Pizza-Lokal, das zur Mittagszeit mit Familien vollbesetzt war. Der Sprengsatz war nach Polizeiangaben mit Nägeln gespickt. Gegen die Polizei wurden unterdessen Vorwürfe laut, die Sicherheitsvorkehrungen seien ungenügend gewesen. Der Polizeichef Jerusalems erklärte dazu im israelischen Fernsehen, dass trotz zahlreicher Warnungen vor einem neuen Terroranschlag der Anschlagsort nicht klar definiert werden konnte. Im übrigens seien die Untersuchungen voll im Gange. Er persönlich empfehle den Einwohnern von Jeruslaem, sich nicht einschüchtern zu lassen und dem Alltagsleben weiter nachzugehen.

"Sharon provozierte es. Sharon wartete darauf. "

Die palästinensische Autonomiebehörde hat Sharon persönlich für das Attentat verantwortlich gemacht. "Wir machen Israels Ministerpräsident Ariel Sharon voll verantwortlich. Die Morde und der Terrorismus, den er durchgeführt hat und der in den letzten Wochen eskaliert ist, haben zu diesem Ergebnis geführt", sagte der palästinensische Informationsminister Yassir Abed Rabbo. "Sharon provozierte es. Sharon wartete darauf. Sharon wollte das", so der palästinensische Minister. "Dies ist die ideale Situation für Sharon. Er will diese Spirale der Gewalt, um seine politischen Ziele zu erreichen. Gemäß seinem Plan wird der Hass verstärkt und das palästinensische Volk unterdrückt".

Abed Rabbo bezieht sich offenbar auf die israelischen "Liquidierungsaktionen" mutmaßlicher palästinensischer Terroristen. Trotz heftiger internationaler Kritik hatte die israelische Regierung diese Einsätze als notwendig im Kampf gegen den Terror verteidigt. (APA/AP)

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