Commerzbank kämpft mit Kostenexplosion

9. August 2001, 13:46
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Filialschließungen angekündigt - Neues Sparprogramm

Frankfurt - Die Flaute an den internationalen Börsen und der Rückzug der Privatanleger haben bei der Commerzbank zu einem tiefen Gewinneinbruch geführt. Im Privatkundengeschäft sowie in der Sparte Vermögensverwaltung musste Deutschlands viertgrößte Bank im ersten Halbjahr 2001 sogar Verluste von 104 Mill. Euro ausweisen. Auf Grund gleichzeitig stark gestiegener Verwaltungskosten fiel der Konzerngewinn vor Steuern um 74 Prozent auf 495 Mill. Euro (6,811 Mrd. S), teilte der Vorstand am Donnerstag in Frankfurt mit.

Für das 1. Halbjahr 2000 hatte die Commerzbank noch ein Ergebnis vor Steuern von 1,89 Mrd. Euro ausweisen können. Darin waren allerdings auch Erlöse von 856 Mill. Euro erhalten, die aus dem Börsengang der Direktbank-Tochter comdirect resultierten. Angesichts des schlechten konjunkturellen Umfelds und weiterhin eingetrübter Börsenlandschaft geht das Geldhaus intern nicht davon aus, dass im 2. Halbjahr 2001 eine deutliche Ertragsverbesserung möglich ist.

Übernahmegerüchte lassen Aktie steigen

Die Börse reagierte - im Gegensatz zur Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse bei anderen Banken in der vergangenen Woche - nicht mit Kursabschlägen. Entgegen dem allgemeinen Trend am Finanzplatz Frankfurt verbesserten sich am Donnerstag bis zum frühen Nachmittag Commerzbank-Titel um rund 3 Prozent. Dabei spielten wieder aufkeimende Übernahmegerüchte eine Rolle. Presseberichte, wonach der italienische Versicherungsriese Generali seinen Anteil von 9,9 auf rund 19 Prozent erhöht habe, wurden von der Commerzbank allerdings dementiert. Der unerwartete Kursanstieg war auch darauf zurückzuführen, dass einige Börsenteilnehmer mit noch schlechteren Halbjahresergebnissen gerechnet hatten. Positiv wurde auch das zusätzlich aufgelegte Kostensenkungsprogramm bewertet.

Sparprogramm

"Zur Eindämmung der Kostenflut" hat der Vorstand außer dem mittelfristigen Sparprogramm - einschließlich der Schließung von mehr als 100 Filialen im Inland - weitere Sofortmaßnahmen beschlossen. Ein bereits im Juni verhängter Einstellungsstopp sowie gestrichene IT-Projekte sollen noch in diesem Jahr Einsparungen von 240 Mill. Euro bringen. "In den kommenden Jahren werden wir noch stärker auf die Kostenbremse treten", betonte der Vorstand.

Prognosen zurückgenommen

Das ursprüngliche Ziel des neuen Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller, heuer einen Gewinn vor Steuern von 1,7 bis 1,8 Mrd. Euro zu erreichen, ist nach dem schwachen 1. Halbjahr außer Reichweite. Dies wird auch innerhalb der Bank eingestanden. Die optimistische Prognose war noch Ende März ausgegeben worden. Als reduziertes Gewinnziel werden intern nun 1,2 (2000: 2,2) Mrd. Euro angepeilt. (APA/dpa)

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