Der Spröde

6. August 2001, 12:24
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Schmidt-Rottluff, der Unzugänglichste der Künstlergruppe "Die Brücke" starb vor 25 Jahren

Berlin/Chemnitz (dpa) - Als vor 25 Jahren, am 10. August 1976, der Maler Karl Schmidt-Rottluff im Alter von 91 Jahren in einem Berliner Krankenhaus starb, war eine Epoche der deutschen Kunstgeschichte zu Ende. Der Künstler war der letzte Mitbegründer der legendären Malergruppe "Brücke", die der Architekturstudent in Dresden 1905 mit seinen älteren Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Franz Bleyl ins Leben rief. Was damals als ein von vielen angefeindeter Aufbruch zu neuen Wegen der Kunst- und Weltsicht begann, gilt unter dem Namen Expressionismus bis heute weltweit als die deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts schlechthin.

In radikaler Abkehr von der akademischen Malweise und vom delikaten Impressionismus gaben die Maler des neuen Stils dem Aufbruchs-Pathos einer anderen Welt, später erschüttert durch die Qualen des Weltkriegs, malerische Gestalt. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod sorgt Schmidt-Rottluffs Schaffen noch für Überraschungen, erreichen seine Gemälde auf Auktionen Höchstpreise. Erstmals machte 1992 eine Wanderausstellung mit dem bisher in beiden Teilen Deutschlands verstreuten malerischen Werk des Künstlers vertraut.

Immer wieder tauchen auch aus Privatbesitz bisher unbekannte Werke auf. Neben dem Brücke-Museum in Berlin, dem der Künstler seinen gesamten Nachlass gab, sind in Chemnitz die meisten Werke des Expressionisten zu bewundern. Traurige, aber vielerorts typische Ironie der Geschichte: Von den 104 Rottluff-Werken, die die Nazis aus dem Chemnitzer Museum "entfernten", konnte die Stadt nach dem Krieg ganze 29 mühselig neu erwerben.

In Erinnerung an den "Brücke"-Maler sind in den Kunstsammlungen von Chemnitz bis zum 13. Jänner Rottluff-Bilder zu sehen, die auch einen ganz ungewöhnlichen Blick auf die frühesten Arbeiten des Noch-Gymnasiasten gestatten. Wie für viele seiner Generation, so war auch für den 1884 geborenen Karl Schmidt, der sich erst als "Brücke"-Künstler zusätzlich nach seinem Geburtsort Rottluff bei Chemnitz nannte, Vincent van Gogh ein fast übermächtiges Vorbild. In starkfarbigen, kräftigen Pinselstrichen eiferte der malende Autodidakt ihm nach, markierte aber mit seinem rot-dominierten, dramatischen "Deichdurchbruch" von 1910 programmatisch den Beginn eines kraftvollen persönlichen Stils.

Aufenthalte an der Ostsee, die intensive Beschäftigung mit der traditionellen Kunst afrikanischer Schnitzer, schließlich die Erschütterung durch den Weltkrieg lassen sich in Stil und Motiven im Werk nachvollziehen. In dem 20er Jahren wurde das Schaffen des Malers mit Landschaften und Stillleben lyrischer, kantige Farbflächen runden sich und selbst Anklänge der neusachlichen Malweise wird spürbar.

Mehr als 600 seiner Bilder wurden von den Nazis 1938 aus deutschen Museen verbannt, der Künstler - mit Berufsverbot belegt - ging in die "innere Emigration", viele seiner Werke wurden im Bombenkrieg zerstört. In den ersten Nachkriegsjahren kam Schmidt- Rottluff mit Ausstellungen, Preisen und einer Professur in Berlin zu neuen Ehren und Aufgaben. Mit Aquarellen und Tuschzeichnungen bewies der Künstler seine ungebrochene Schaffenkraft. Knapp ein Jahr vor seinem Tod richtete der Maler aus seinem Vermögen die Karl Schmidt- Rottluff Förderungsstiftung ein, deren hoch angesehene Stipendien seitdem zahlreichen jungen Künstlern Weg geholfen haben. (Schluss) leh

http://www.bruecke-museum.de/ http://www.buchheimmuseum.de/sammlungen/expressionisten/rottluff.htm
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