Ausgelieferte moslemische Generäle in Den Haag eingetroffen

4. August 2001, 21:21
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Proteste in Bosnien

Den Haag/Washington - Die drei von Bosnien-Herzegowina an das UNO-Kriegsverbrechertribunal ausgelieferten moslemischen Generäle sind am Samstag in Den Haag eingetroffen. Das teilte ein Gerichtssprecher mit. Nach Angaben ihres Anwalts Asim Crnalic bestiegen die drei Männer am Freitag einen Hubschrauber im Hauptquartier der UNO-Schutztruppe SFOR bei Sarajevo. Die pensionierten Generäle Mehmed Alagic und Enver Hadzihasanovic sowie der Brigade-General Amir Kubura sollen kommende Woche zum ersten Mal vor dem Tribunal erscheinen.

Dann soll die Anklageschrift verlesen werden. Den Männern werden Mord, unmenschliche Behandlung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. US-Präsident George W. Bush begrüßte die Festnahme der Männer. Sie zeige, dass die bosnische Regierung ihre "internationalen Verpflichtungen ernst nimmt" und bereit sei, "mit der Gewalt und den Schrecken der Vergangenheit" zu brechen, sagte Bush in Washington. Die drei Befehlshaber waren am Donnerstag festgenommen worden. Das Haager Tribunal beschuldigt die Generäle, 1993 moslemische Söldnertruppen befehligt zu haben, die Verbrechen im Bosnienkrieg begangen hätten.

Protest

Mehr als 3.000 bosnische Moslems haben am Samstagabend gegen die Auslieferung protestiert. Der von Kriegsveteranen in der Stadt Sanski Most organisierte Protest richtete sich vor allem gegen die Festnahme des früheren Generals Mehmed Alagic. Alagic war nach dem Bosnien-Krieg mehrere Jahre lang Bürgermeister in Sanski Most, das 175 Kilometer nordwestlich von Sarajewo liegt.

Alagic habe die Verteidigung seines Landes organisiert und ehrenvoll gekämpft, sagte eine der Demonstranten. Man könne Täter und Opfer nicht auf diese Weise gleichsetzen. Alagic und die beiden anderen Offiziere waren die bisher ranghöchsten Moslems, die unter dem Vorwurf von Kriegsverbrechen verhaftet wurden. Das Tribunal legt ihnen die Verantwortung für die Hinrichtung von Zivilisten und Kriegsgefangenen während des Bosnien-Kriegs zur Last.

Zudem sollen sie für den Missbrauch von Geiseln als menschliche Schutzschilde und die Verwüstung von Dörfern und Städten verantwortlich sein. Bisher sind vor dem UNO-Tribunal für das frühere Jugoslawien vor allem Serben und Kroaten angeklagt worden. (APA)

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