Schauspiel-Legende Hans Holt verstorben

5. August 2001, 19:07
posten

91-Jähriger erlag im Badener Künstler - Altersheim einem langen, schweren Leiden

Baden/Wien - Hans Holt, österreichische Schauspiellegende und heimischer Filmstar des Nachkriegskinos, ist Freitag Abend im Hilde Wagener-Künstlerheim in Baden bei Wien verstorben. Die entsprechende Mitteilung von Lotte Tobisch, der Präsidentin des Vereins Künstler helfen Künstlern, hat Alfons Haider - ein Freund der Familie Holt - am Samstag bestätigt. Der 91-Jährige sei einem langen, schweren Leiden erlegen, so Haider.

"Hans Holt war wahrscheinlich der letzte große österreichische Schauspieler", meinte Haider. "Und er war als Mensch ein unvorstellbares Juwel." Nachsatz: "Was ihn gebrochen hat, das war der Abgang aus der 'Josefstadt'. Der war nicht 'koscher'."

Wienerische Ausstrahlung

Den Rang der österreichischen Schauspiel-Legende hat sich Hans Holt mit seiner besonderen wienerischen Ausstrahlung - einer Mischung aus Melancholie und feinem Herrencharme - erspielt. Noch vor weniger als vier Jahren stand er auf der Bühne. Er hat in über 80 Kinofilmen mitgewirkt, Regie geführt, für das Fernsehen gearbeitet und sich auch als Autor einen Namen gemacht.

Hans Holt wurde am 22. November 1909 als Johann Hödl in Wien geboren. Vor seinem Studium an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien wollte er Turnlehrer werden.

Legende des Theaters in der Josefstadt

Er debütierte 1930 als Essex in Ferdinand Bruckners "Elisabeth von England" am Deutschen Volkstheater in Wien. Über die Stadttheater Reichenberg und Mährisch-Ostrau gelangte er an die Wiener Scala, das Renaissance Theater in Berlin, das Theater an der Wien und 1940 schließlich an das Theater in der Josefstadt, wo er mit Unterbrechungen bis 1988 engagiert war.

1948 sah man Holt dort in einem seiner eigenen Stücke, "Es wird einmal", im selben Jahr führte er beim Jugendstück "Das Paradies" von Andre Birabeau auch Regie. Neben seinen Lustspielen, u.a. "Der Zaun", "Der Herzspezialist", "Der Traumtänzer" und "Rabenmutter" verfasste Holt, der maßgeblich an der Prägung des typischen, so genannten Josefstädter Stils mitwirkte, auch Gedichte.

Noch vor dem Eintritt in die "Josefstadt" wurde der Schauspieler auch für den Film entdeckt, wo er besonders als "Musensohn" eingesetzt wurde. So war er zum Beispiel 1942 in "Brüderlein fein" ein menschlich erlebter Ferdinand Raimund und in "Wen die Götter lieben" ein Mozart mit impulsiven Gefühlsbewegungen.

Mit Paula Wessely, Attila und Paul Hörbiger und Hans Moser bildete Holt das Quintett der beliebtesten Wiener Filmdarsteller. In Serien wie "Die liebe Familie" und "Der Leihopa" mit Alfred Böhm hat sich Holt auch ein breites Fernsehpublikum erobert.

Hochdekorierter Künstler

In den späten vierziger Jahren war Holt, der seit 1935 mit seiner Frau Renate verheiratet war, für einige Spielzeiten in Zürich unter Vertrag, von 1952 bis 1954 gehörte er dem Burgtheater an, und immer wieder gastierte er u.a. bei den Bregenzer Festspielen, auf zahlreichen Tourneen und im von Heinz Hilpert geleiteten Theater in Göttingen. 1997 gab der damals 87-Jährige im Schönbrunner Schlosstheater in Fritz Kreislers Singspiel "Sissy" den Feldmarschall Radetzky.

1990 erschien unter dem Titel "Jeder Tag hat einen Morgen" die Autobiografie des Künstlers. Hans Holt war Träger der Kainz-Medaille, des Raimund-Rings und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien. Die Familie des Verstorbenen plant ein Begräbnis im allerengsten Familienkreis. (APA)

Share if you care.