"Gaukler" zu Kriminellen gemacht

3. August 2001, 19:55
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Neuer Stapobericht soll Verhaftete entlasten

Wien - Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (VP) forcierte am Freitag die Anstrengungen zur Freilassung der 16 in Italien inhaftierten "VolxTheater"-Mitglieder aus Österreich. Botschafter Christian Prosl, Generalsekretär im Außenamt und Leiter der Konsularsektion, soll kommenden Montag im italienischen Außenministerium sowie in anderen Zentralbehörden in Rom neuerlich eine detaillierte Untersuchung und Aufklärung der "entwürdigenden Misshandlung" der inhaftierten Österreicherinnen und Österreicher verlangen.

Ins Kreuzfeuer der oppositionellen Kritik geriet Freitag abermals Innenminister Ernst Strasser (VP). Der grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber, der Freitag Journalisten von seinen Gefängnisbesuchen in Genua berichtete, warf Strasser vor, die österreichische Polizei habe dazu beigetragen aus einer "Gauklergruppe" eine "kriminelle Vereinigung" zu machen. Voggenhuber zitierte den Chef der Genueser Antiterroreinheit, Spartaco Mortolo (41), der von der heimischen Staatspolizei personenbezogene Informationen zu den Verhafteten erhalten habe. Diese Informationen seien belastend gewesen, obwohl alle Verhafteten rechtlich unbescholten seien. Wie berichtet, hatte sich auch Ferrero-Waldner vor einer Woche auf diesen geheimen Stapobericht berufen, als sie gemeint hatte, dass einige der Österreicher "vorgemerkt" seien.

Im Innenministerium wurde dem STANDARD am Freitag bestätigt, dass der italienischen Polizei auf Anfrage interne Infos zu den Verhafteten zugeliefert worden seien. Grundlage für dieses "routinemäßige Vorgehen" sei das Polizeikooperationsgesetz.

Nun wurde ein ergänzender Bericht zur "VolxTheater-KulturKarawane" erstellt. Darin heißt es nachdrücklich, dass es sich um eine Theatergruppe handle, die sich dem politischem Aktionismus verschrieben habe, die aber noch nie durch Gewalt aufgefallen sei. Der Bericht wird als Entlastung für die Österreicher den italienischen Behörden zukommen. (simo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5. August 2001)

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