"Bei der AUA wäre eine Gewinnwarnung fällig"

7. August 2001, 16:19
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Analysten kritisieren die mangelhafte Informationspolitik - Gespanntes Warten auf Halbjahresbilanz

Wien - Die Anleger sind massiv verunsichert: Zweieinhalb Wochen vor der Veröffentlichung der AUA-Halbjahresbilanz geht es mit der Aktie der Fluglinie bergab. Nach dem Einbruch vom Donnerstag, wo der Wert nach einer negativen Analyse der Deutschen Bank 7,75 Prozent an Wert verlor, gab der Kurs am Freitag um weitere 1,33 Prozent auf 11,06 Euro nach.

Hintergrund dieser Entwicklung ist der erwartete Ergebniseinbruch im heurigen Jahr. Jens Zimmermann von der zum Bank Austria-Konzern gehörenden CA IB sagte: "Die AUA macht keine Gewinnwarnung, das müsste sie aber. Sie geben keine transparenten Ziele vor und weil sie sich nicht festlegen, müssen sie auch keine Gewinnwarnung machen, wie es internationalen Standards entsprechen würde". Nachsatz: "Für die AUA gelten scheinbar eigene Gesetze. Das ist ärgerlich."

Ergebniseinbruch

Bei der Einschätzung, wie kräftig der Ergebniseinbruch sein werde, scheiden sich jedoch die Geister. Niki Lauda hatte zuletzt von einem "konkursreifen" Unternehmen gesprochen, sollten nicht raschest Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die AUA-Chefs beharren darauf, mit zehn Mrd. S Eigenmitteln auf "festem wirtschaftlichen Fundament" zu stehen. Zimmermann: "Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte".

Im Jänner lagen die Schätzungen noch bei einem Jahresergebnis vor Steuern (EGT) von 70 Mio. EURO. Die Deutsche Bank erwartet für 2001 nun ein EGT von 26 Mio. EURO (Kursziel acht EURO). Das britische Investmenthaus Schroder Salomon Smith Barney erwartet ein EGT von 46 Mio. EURO bei einem Kursziel von 13 EURO.

Der Investors Relations-Chef der AUA, Karl Knezourek, will die Schätzungen nicht kommentieren. Die Verschuldungsquote von 230 Prozent (Schulden im Verhältnis zum Vermögen) sei publiziert worden. Auch heuer seien Flugzeugverkäufe einkalkuliert, aber deutlich unter dem Vorjahresvolumen von 1,3 Mrd. S. Eine Gewinnwarnung sei kein Thema, weil "die Zahlen für das Halbjahr intern noch gar nicht vorliegen." Und: "Was Analysten spekulieren, ist ihre Sache." (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 4.8.2001)

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