NS-Restitution: Joanneum gibt weiteres Gemälde an Erben zurück

3. August 2001, 12:01
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Dritte Transaktion seit Abschluss des "Raubkunstberichtes"

Graz - Die Restitution eines weiteren Gemäldes, das in der NS-Zeit seinen rechtmäßigen Erben geraubt wurde, ist dem Landesmuseum Joanneum in Graz gelungen: Nach über 50 Jahren wurde dieser Tage ein Gemälde des österreichischen Landschaftsmalers Carl von Schuch an den Berliner Rechtsanwalt der Witwen der Söhne des Besitzers zurückgegeben. Das Gemälde wurde von der Neuen Galerie im Jahr 1942 über das Wiener Dorotheum angekauft. Der Besitzer konnte über Triest nach Amerika flüchten und verstarb nach seiner Rückkehr 1955 in Wien.

Ende 1999 hat das steiermärkische Landesmuseum einen rund 400 Seiten umfassenden Forschungsbericht über bedenkliche Kunstwerke in seinem Besitz vorgelegt. Demnach befinden sich nach heutigem Rechtsempfinden nach wie vor rund 70 Kunstobjekte ehemaliger jüdischer Bürger zu Unrecht in den Sammlungen des Museums. Mit dem 28 mal 44 Zentimeter großen "Motiv aus dem Salzkammergut" von Carl Schuch (geb. 1846 in Wien) wurde - wie Gudrun Danzer von der Neuen Galerie mitteilte - Ende Juli eines der vielen Gemälde, Grafiken und Objekte, die nach wie vor ihre rechtmäßigen Besitzer suchen, zurückgegeben. Die Rückstellung des Gemäldes ist die dritte derartige Transaktion seit Abschluss des "Raubkunstberichtes": Im April und August letzten Jahres gingen bereits sechs Artefakte an Bettina Looram-Rothschild sowie an eine weitere Erbin in New York zurück. Ein weiteres Bild aus der Sammlung der Alten Galerie wird dieser Tage restituiert.

Die Erben

Die Erben des Schuh-Bildes wurden über Vermittlung des "International Steering Committee", einem Zusammenschluss von fünf Opferorganisationen, die weltweit österreichische Juden vertreten, gefunden. Früherer Eigentümer des Bildes war der in Wien lebende Hugo Blitz. Über Triest gelang ihm und seinen beiden damals bereits großjährigen Söhnen Wilhelm und Felix die Flucht vor den Nazis nach New York. Seine Ehefrau blieb in Österreich, wo sie 1941 unter heute nicht näher bekannten Umständen starb. "Blitzs Bilder und sein übriges Umzugsgut wurden noch in Triest von der Vugesta beschlagnahmt und die Kunstwerke schließlich im Dorotheum versteigert, über welches es dann im Juni 1942 von der Neuen Galerie angekauft wurde", so Danzer. Das Verkaufsunternehmen der Gestapo Vugesta war für die Verwertung des von Juden beschlagnahmten Besitz zuständig. Während es dem nach Kriegsende wieder aus den USA nach Österreich zurückgekehrten Emigranten zwar gelang, wenigstens ein Bild von Franz Wiegele wieder aus dem Besitz des Joanneums zurück zu erhalten, verblieb der Schuch in der Sammlung.

Über ihren Berliner Anwalt setzten sich im Vorjahr die beiden heute selbst schon betagten Erbinnen in Kontakt mit dem Landesmuseum. Es handelt sich dabei um die beiden Ehefrauen der beiden Söhne von Hugo Blitz. Den Wert des restituierten Gemäldes schätzt Danzer auf rund 200.000 Schilling.

"Mühsames Voranschreiten

Als "sehr mühsam" bezeichnete Landesamtsdirektor Gerhart Wielinger, der Vorsitzende der eigens eingerichteten Kommission, die für die Rückgabe der Kunstwerke zuständig ist, die Restitutionsbemühungen des Landesmuseum. "Wir haben das Problem, dass wir nur ausnahmsweise wissen, wer der Vorbesitzer war", so Wielinger. Die Auffindung eventueller Erben verläuft allerdings nicht zuletzt auf Grund von nicht vorhandenen Personals eher zaghaft.

Je eine Mitarbeiterin der Alten Galerie, der Neuen Galerie und der Kulturhistorischen Sammlungen waren mit den Erhebungen für den steirischen "Raubkunstbericht" befasst. Im Zuge ihrer eigentlichen Tätigkeit in den Abteilungen beschäftigen sie sich auch weiterhin mit diesbezüglichen Recherchen - allerdings ohne konkreten Auftrag der obersten Dienststelle. Aufstockungen der bisherigen Dienstposten hält man nicht für notwendig.

"Jetzt nur noch warten"

"Wir haben die Ergebnisse des Forschungsberichtes ins Internet gestellt und können jetzt nur noch warten", umreißt Wielinger die Strategie in Sachen Restitutionsbemühungen am Landesmuseum Joanneum. Wie viele Besucher seit der Inbetriebnahme der Homepage die Seite mit den Restitutionsgütern aufgesucht hat, kann man allerdings nicht sagen: Man hat vergessen einen Zugriffszähler zu installieren. "Gemeldet hat sich bisher auf alle Fälle noch niemand", so Pressesprecherin Petra Schille.

Nicht gerade zielführend verhält sich die Leitung des Joanneums (zur Zeit wird es seit rund eineinhalb Jahren von Odo Burböck geleitet) in der aktuellen Ausstellung "Von Waldmüller bis Schiele" im Grazer Schloss Eggenberg, wo einige der Restitutionsgüter wie zum Beispiel Anton Romakos "Südfranzösische Bäuerin / Bretonische Bäuerin" von 1884 zu sehen sind. Während man noch im Vorjahr in der Sommerausstellung mit Zusatztafeln auf die bedenkliche Herkunft der Gemälde hingewiesen und um etwaige Hinweise auf Erben gebeten hat, verzichtet man in diesem Jahr auf jede diesbezügliche Information und damit auch auf die Chance, dass weitere Erben eventuell auf diesem Weg gefunden werden könnten. Er werde die Anregung "weiterleiten", so der Landesamtsdirektor zu dieser Vorhaltung. (APA)

Auf der Webseite kann man rund 40 Kunstwerke des Joanneums, die nach wie vor ihren rechtmäßigen Besitzer suchen, in Augenschein nehmen.
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