Petritsch: Mit der Verurteilung von Krstic wurde ein Exempel statuiert

2. August 2001, 18:31
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UN-Repräsentant für Bosnien-Herzegowina: "Die Schlinge um Kriegsverbrecher wird immer enger"

In Bosnien-Herzegowina zieht sich Wien/Sarajewo - Der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina, der Österreicher Wolfgang Petritsch, hat die Verurteilung des bosnisch-serbischen Generals Radislav Krstic, einem Hauptverantwortlichen des Massakers von Srebrenica 1995, "sehr begrüßt". "Mit diesem Urteil ist ein Exempel statuiert worden", sagte Petritsch am Donnerstag in einem Telefongespräch. Er habe den Eindruck, dass sich auch in Bosnien-Herzegowina die "Schlinge" um die geschätzten 30 bis 40 noch auf freiem Fuß befindlichen Kriegsverbrecher "immer enger" ziehe.

In den nächsten Monaten erwartet der österreichische Diplomat auch die Festnahme des früheren Führers der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und seines Militärführers Ratko Mladic, die Hauptverantwortlichen für das Massaker von Srebrenica. Es werde vermutet, dass Mladic und Karadzic sich im Dreieck Bosnien, Montenegro und Serbien befinden. Auch wenn die lokale Polizei für die Festnahme zuständig ist, erwartet Petritsch nicht, dass sie dieser Aufgabe nachkommen werde. "Wahrscheinlich wird die internationale Friedenstruppe SFOR diese Festnahme übernehmen müssen."

"Keine Rede von Verständnis oder Unterstützung"

In der Republika Srpska habe sich die Stimmung gegenüber dem UNO-Kriegsverbrechertribunal von "negativ hin zu etwas Akzeptanz" gewandelt, meinte Petritsch. Nach der Auslieferung des jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic nach Den Haag hätte man auch hier erkannt, dass nur die Republika Srpska noch nicht mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zusammenarbeite. "Von Verständnis oder Unterstützung kann allerdings noch keine Rede sein", warnte der Hohe Repräsentant. Das Dayton-Abkommen von 1995 verpflichte Bosnien-Herzegowina zu einer Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal.

Es gebe auch in der Serbischen Republik Medien, die Pionierarbeit bei der Aufklärung von Kriegsverbrechen leisten würden, betonte Petritsch. So sei im letzten Jahr ein Journalist der Tageszeitung "Nesavisne novine" bei einem Anschlag verletzt worden, weil er über serbische Kriegsverbrechen berichtet hätte. (APA)

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