Roma gedenken in Auschwitz der Opfer des Holocaust

2. August 2001, 15:22
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Dauerausstellung "Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma" eröffnet

Warschau - Rund tausend Sinti und Roma haben am Donnerstag auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau der Opfer des Holocaust gedacht. An der Zeremonie nahmen nach Angaben der Nachrichtenagentur PAP auch der polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski und die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Bläss (PDS), teil. Österreich war durch Innenminister Ernst Strasser vertreten.

Am 2. August 1944 hatte die SS auf der Flucht vor den Alliierten das so genannte "Zigeunerlager" Birkenau gewaltsam aufgelöst und fast 3.000 Sinti und Roma in den Gaskammern ermordet. An dem Mahnmal für die Opfer wollte Bläss nach Angaben ihres Büros in Berlin einen Kranz niederlegen.

Ausstellung eröffnet

Im Museum Auschwitz-Birkenau wurde am Donnerstag auch die Dauerausstellung "Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma" eröffnet. Die Präsentation im Lagerblock 13 des einstigen Vernichtungslagers wird von der deutschen Regierung, den Bundesländern und verschiedenen Firmen sowie den polnischen Behörden finanziert.

Außer persönlichen Briefen, Fotos und anderen Andenken von Angehörigen der Ermordeten werden auch die Aquarelle der einstigen Lagerinsassin Dina Babbitt ausgestellt. Babbitt, eine tschechische Jüdin, hatte den Holocaust dank ihrer Kunst überlebt - sie musste im Auftrag des berüchtigten Lagerarztes Josef Mengele Porträts von Häftlingen des "Zigeunerlagers" anfertigen. Keiner der von ihr porträtierten Häftlinge hat Auschwitz überlebt.

23.000 Roma in Auschwitz ermordet

Um die Werke Babbitts gab es vor zwei Jahren einen heftigen Streit, in den sich auch Abgeordnete des US-Kongresses einschalteten. Die Künstlerin, inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, hatte die Herausgabe der Bilder verlangt, während das Museum Auschwitz die Auffassung vertrat, sie gehörten zum gesamten Lagerkomplex, der auf der Liste des Weltkulturerbes steht und nicht als Privateigentum geltend gemacht werden kann.

23.000 der von den Nazis ermordeten rund 500.000 Sinti und Roma starben in Auschwitz. Nach Schätzungen wurden allein in Auschwitz zwei bis drei Millionen Menschen ermordet, die meisten von ihnen Juden aus Polen und den von Nazi-Deutschland besetzten Staaten Europas.(APA/AP)

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