Jobabbau bei tele.ring

2. August 2001, 14:54
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150 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet - "Um Profitabilität zu sichern"

Wien - Der österreichischen Festnetz- und Mobilfunkanbieter tele.ring, seit Anfang Mai eine 100-prozentige Tochter des US-Unternehmens Western Wireless International, wird ein Siebtel seiner Belegschaft, genau 95 der rund 720 Vollzeitarbeitskräfte, abbauen. Dies erklärte das Unternehmen am Montag in einem Rundschreiben an seine Mitarbeiter. Beim Arbeitsmarktservice (AMS) hat der vierte Mobilfunkbetreiber Österreichs allein in Wien bereits 150 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet. "Um die Profitabilität unseres Unternehmens zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit von tele.ring am österreichischen Markt weiter zu verbessern, müssen wir alle vorhandenen Einsparungspotenziale ausschöpfen", heißt es in dem Schreiben.

Sozialplan in Verhandlung

tele.ring-Geschäftsführer Hartmut Kremling begründete den Personalabbau mit einer Verlangsamung des Netzausbaus. Bei dem Rationalisierungsplan handle es sich um eine "Entscheidung der tele.ring-Geschäftsführung auf Initiative des neuen Eigentümers Western Wireless zur Sicherung der Firma tele.ring". Schwerpunktmäßig soll es im administrativen und im Technikbereich zu Kostenreduktionen kommen. Weitgehend "verschont" werden soll hingegen Bereich Kundenbetreuung. Für die Kunden soll sich daher durch die Einsparungsmaßnahmen nichts ändern, versichert tele.ring.

Bei den 150 beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldeten Beschäftigten handle sich um Voll- und Teilzeitmitarbeiter, außerdem habe man die Berechnung für das AMS etwas höher angesetzt. Bis November werden man von derzeit 720 Vollzeitstellen 95 freisetzen, so Kremling. Für die Betroffenen wird derzeit noch ein Sozialplan verhandelt. Darüber hinaus würden Mitarbeiter auch in ihrem Bemühen um einen Arbeitsplatzwechsel unterstützt.

Zusatzangebote werden zurückgefahren

tele.ring soll sich künftig auf die Stärkung ihrer Position als Mobilfunk-, Festnetz- und Internet-Anbieter konzentrieren. Die Entwicklung von Zusatzangeboten, wie Location Based Services (LBS), solle hingegen verlangsamt werden, das die Nachfrage dannach noch nicht bestehe, so Kremling.

Seit seinem Start im Mai 2000 als Mobilfunkbetreiber hat es der 1997 vom Verbund, den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Stadtwerkeholding Citykom Austria gegründete tele.ring alles andere als leicht. Der österreichische Mobilfunkmarkt war zu diesem Zeitpunkt bereits relativ gesättigt und unter den drei Mobilfunkern Mobilkom Austria, max.mobil und One aufgeteilt. tele.ring konnte sich daher nur sehr bescheidenen Kundenziele stecken.

150.000 Kunden

Bis Ende 2000 zog tele.ring 150.000 Kunden an Land, die Mobilkom Austria hatte zu diesem Zeitpunkt vergleichsweise bereits 2,8 Millionen Kunden, max.mobil rund 2 Millionen. One hatte auch schon die Millionengrenze durchbrochen.

tele.ring will seine Kundenzahlen vom Vorjahr nach Angaben von tele.ring-Geschäftsführer Hartmut Kremling bis Ende 2001 verdoppeln. Bis Jahresende soll die Zahl der Mobiltelefonierer auf 300.000, die der Festnetztelefonierer auf 320.000 und die der Internetkunden auf 120.000 steigen. Aktuell hat tele.ring 200.000 Mobilfunkkunden, 180.000 Festnetzkunden sowie 25.000 Internet-Kunden und beschäftigt 850 Mitarbeiter. Mannesmann war im Mai 1998 bei tele.ring eingestiegen. Im Dezember 2000 hatte Mannesmann/Vodafone nach dem Ausstieg der ÖBB, des Verbunds und der Citykom die 100-prozentige Kontrolle über tele.ring übernommen. Anfang Mai hatte Mannesmann/Vodafone tele.ring dann an den US-Konzern Western Wireless verkauft. (APA)

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