Joseph-Breitbach-Preis an Thomas Hürlimann, Ingo Schulze und Dieter Wellershoff

1. August 2001, 22:42
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Höchstdotierter deutschsprachiger Preis

Mainz - Die mit insgesamt 255.000 Mark (fast 1,6 Mill. S) höchstdotierte Auszeichnung für deutschsprachige Schriftsteller, der Joseph-Breitbach-Preis, wird in diesem Jahr an einen Schweizer und zwei deutsche Schriftsteller vergeben. Wie die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz am Mittwoch mitteilte, erhalten die Autoren Thomas Hürlimann aus Willerzell bei Einsiedeln, Ingo Schulze (Berlin) und Dieter Wellershoff (Köln) jeweils 85.000 Mark.

Der seit 1998 verliehene Joseph-Breitbach-Preis gilt für alle Literaturgattungen und wird nach dem Willen des Koblenzer Schriftstellers und Mäzens Breitbach (1903-1980) jedes Jahr verdienten deutschsprachigen Autoren zuerkannt. Die Preise sollen am 28. September in Mainz vergeben werden. Finanziert wird die Auszeichnung aus dem Vermögen der Breitbach-Stiftung. Bisherige Träger des Joseph-Breitbach-Preises sind: Hans Boesch, Friedhelm Kemp, Brigitte Kronauer (1998), Reinhard Jirgl, Wolf Lepenies, Rainer Malkowski (1999); Ilse Aichinger, W. G. Sebald und Markus Werner (2000). Die Österreicherin Ilse Aichinger war im Vorjahr für ihr Lebenswerk gehrt worden.

Die Arbeiten des 1950 im schweizerischen Zug geborenen Hürlimann fielen laut Jury von Anfang an dank ihrer Sprachkraft auf. Bereits sein erstes Prosabuch "Die Tessinerin" (1981) zeichne sich durch ein Ineinander von Ernst und Witz, Komik und Satire aus. Hürlimann studierte in Zürich und Berlin Philosophie. Er schrieb Schauspiele, Drehbücher, Romane und Kurzgeschichten. Der Träger mehrerer Literaturpreise ist derzeit Gastdozent am deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

Dem 1962 in Dresden geborenen Schulze gelinge es meisterhaft, die großen und kleinen Tragikomödien des Alltags zuzuspitzen und poetisch überzeugend darzustellen, heißt es in der Begründung der Jury. Besonders beeindrucke Schulzes Vielfalt im künstlerischen Ausdruck. In "33 Augenblicke des Glücks" (1995) bestechen seine fantastisch-realistischen, teils barock-überbordenden Erzählungen, in "Simple Storys" (1998) die satte Wirklichkeit, wie die Jury feststellt. Schulze, der bereits mit dem Alfred-Döblin-Förderpreis und dem Ernst-Willner-Preis im Ingeborg-Bachmann Wettbewerb ausgezeichnet wurde, studierte in Jena klassische Philologie und lebt als freier Autor in Berlin.

Wellershoff habe mit seinem "Reichtum an Perspektiven" in seinen Büchern die Komplexität des Daseins sichtbar gemacht, so die Jury. Dem 1925 in Neuss Geborenen sei ein umfangreiches und bedeutendes Lebenswerk, das Literatur als Erkenntnis verstehe, zu verdanken. Wellershoff, der in Köln als Schriftsteller und Literaturwissenschafter lebt, studierte nach dem Krieg Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie in Bonn. Außer Essays, Hörspielen, Drehbüchern und Autobiografien schrieb er vor allem Romane, Novellen und Erzählungen. Für seinen im vergangenen Jahr erschienenen Roman "Der Liebeswunsch" erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Preis. (APA/dpa)

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