Geschäft mit Secondhand-Polizzen floriert weiter

1. August 2001, 17:36
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Probleme der britischen Equitable-Life-Versicherung ohne Auswirkungen auf Österreich

Wien - Die Schwierigkeiten der finanziell angeschlagenen Lebensversicherung Equitable Life Assurance Society, die mit Jahresbeginn das Neugeschäft einstellen musste, wirken sich in Österreich trotz der auch hierzulande steigenden Popularität von britischen Seconhand-Lebenspolizzen nicht aus. "In Österreich wurde keine einzige Equitable- Life-Secondhand-Polizze verkauft", stellte Heinrich Bodenseher von Creative British Investmentinformation (CBI) im Gespräch mit dem Standard fest. Equitable-Life- Polizzen seien wegen ihres hohen Rückkaufwerts nicht auf dem Sekundärmarkt vertreten. Dieser hohe Rückkaufwert sei auch der Hauptgrund für die finanzielle Schieflage der Gesellschaft.

Berichte, wonach Equitable Life Bonusleistungen suspendiert habe, wies Bodenseher zurück. "Eher sagen die Briten die Geburtstagsparade der Königin ab, als verbrieftes Recht nachträglich zu ändern", schwört er auf die Vertragstreue der englischen Lebensversicherungsbranche.

Deckung reicht nicht mehr aus

Equitable Life hatte ihren Kunden in den 70er- und 80er- Jahren bestimmte Rentenleistungen garantiert, die durch Aktien abgesichert waren. Mit dem Kursverfall auf den Aktienmärkten reichte diese Deckung aber nicht mehr aus. Weil neue Kunden durch diese Garantien für alte Polizzen eine geringere Gewinnbeteiligung bekämen, als ohne sie möglich wäre, hat die Aufsichtsbehörde der Gesellschaft das Neugeschäft untersagt.

Das Geschäft mit Secondhand-Polizzen, die Renditen bis zu 13 Prozent pro Jahr abwerfen, hat in Grloßbritannien eine lange Tradition und erfreut sich auch in Österreich steigender Beliebtheit, konstatierte Bodenseher.

Einfaches Prinzip

Es beruht auf einem einfachen Prinzip: Will in Großbritannien jemand seine Lebens- Polizze vor Ende der Laufzeit verkaufen, muss er sie nicht der Versicherungsgesellschaft zur Rücknahme anbieten, sondern kann sich an den Sekundärmarkt wenden, wo er einen höheren Preis erzielt. Da dieser höhere Preis aber noch immer unter dem tatsächlichen Wert der Polizze liegt, profitiert auch der Käufer davon, der bis zum Vertragsablauf die Prämienzahlung übernimmt und dann die Versicherungssumme beziehungsweise eine diesem Betrag entsprechende Rente kassiert.

Entwickelt hat sich dieser Markt vor allem durch die britische Tradition, Kredite für Hauskäufe durch Lebens-Polizzen zu besichern. Durch lukrative Gewinnbeteiligungen ist es oft schon fünf bis sechs Jahre vor Ablauf der Polizze möglich, einen Erlös zu erzielen, mit dem der Kredit abgedeckt werden kann. Dass offenbar viele Briten ihre Schulden vorzeitig loswerden wollen, begünstigte das Entstehen eines Sekundärmarktes, der sowohl den Bedürfnissen der Verkäufer als durch attraktive Renditen auch jenen der Käufer entgegenkommt. (Günter Baburek, DER STANDARD, Printausgabe 2.8.2001)

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