Analysten sehen YLine-Geschäftsmodell als gescheitert an

1. August 2001, 15:48
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Klagsandrohung gegen IBM von Aktienanalysten als "Flucht nach vorne" gewertet

Das Geschäftsmodell der an der Wiener Börse und an der paneuropäischen Wachstumsbörse Nadaq Europe notierte Softwarefirma YLine Internet Business Service sei als gescheitert zu betrachten. Die YLine habe es nicht geschafft, attraktive Lösungen für Kunden zu schaffen, nach der heutigen Aufkündigung des Kooperationsvertrags mit IBM sei das voraussichtlich noch weniger möglich. Das ist die einhellige Meinung von Analysten von namhaften österreichischen Banken. Die YLine trotz mehrfacher Nachfrage der APA bis dato heute für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Navigator als große Unbekannte

Eine große Unbekannte stelle allerdings noch die Finanzierungszusage des US-Fonds Navigator dar, an den laut Vertrag in den nächsten 18 Monaten Aktien im Wert von bis zu 50 Mill. Euro verkauft werden könnten, meinte ein Analyst zur APA. Doch auch wenn diese Option sofort gezogen werden könnte, müsse man die Frage stellen, ob frisches Kapital allein den Fortbestand des Unternehmens sichern würde.

Klage als "Flucht nach vorne"

Mit der Androhung einer Klage gegen IBM, der YLine "Vertragsbruch, die missbräuchliche Verwendung ihrer marktdominierenden Stellung und die Anwendung unfairer Geschäftsmethoden" vorwirft, habe die YLine die "Flucht nach vorne" angetreten und die "letzte Chance" ergriffen, den Kapitalbedarf zu decken, vermutete ein Analyst heute, Mittwoch. YLine könne offensichtlich die 14 Mill. Euro, die YLine IBM noch schulde, nicht bezahlen. Sollte die angedrohte Klage keinen Erfolg haben, sei eine Insolvenz nicht auszuschließen, so ein Analyst.

IBM prüft den Sachverhalt

Diese Einschätzung wird auch von anderen Aktienexperten des Wiener Marktes geteilt: Die heutige Klagsandrohung gegen IBM sei als "Erklärung" für eine möglicherweise drohende Insolvenz anzusehen, bei der IBM als der Schuldige resultieren sollte, meinte ein anderer Analyst. IBM erklärte in einer ersten Reaktion, man könne die YLine-Anschuldigungen derzeit nicht bestätigen und prüfe den Sachverhalt.

Aktien vom Handel ausgesetzt

Laut einer Mitteilung der Wiener Börse bleiben die YLine-Aktien, die seit Montag Früh aus dem Handel genommen wurden, am heutigen Tag noch vom Handel ausgesetzt. Am Donnerstag sollen die Aktien aber wieder gehandelt werden.

Die YLine-Aktie brach heute im Handel an der Nasdaq Europe nach Wiederaufnahme des Handels um die Mittagszeit zwischenzeitlich um über 50 Prozent ein und markierte bei 2,50 Euro am Nachmittag das bisherige Tagestief. Um 14:47 Uhr notierte das Papier um rund 49 Prozent tiefer bei 2,60 Euro. Das Umsatzvolumen belief sich bis dato auf 118.270 gehandelte Stück Aktien in Einfachzählung. (APA)

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