Ungarn - Fortschritte auf leisen Sohlen

1. August 2001, 10:50
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Wien - Ungarn hat sich ohne viel Aufhebens langsam an die Spitze in Richtung EU-Beitritt vorgearbeitet. Das Land brach das Eis, das sich bei den Verhandlungen über dem Kapitel freier Personenverkehr zu bilden begann, indem es die von Österreich und Deutschland verlangte siebenjährige Übergangsfrist im Mai überraschend akzeptierte. Nicht zuletzt wegen dieses pragmatischen Zugangs konnten bereits 22 der 31 Kapitel abgeschlossen werden - kein anderes mitteleuropäisches Kandidatenland ist derzeit weiter in der Verhandlungen mit der EU.

Auch die jüngste Länderbewertung der Kommission übt vorwiegend nur Detailkritik, weist aber auf keine grundlegenden strukturellen Probleme mehr hin. Ungarn mit seinen rund Millionen Einwohnern hat eine Arbeitslosenrate von etwas über sechs Prozent und eine Inflation von heuer 9,0 Prozent, die im kommenden Jahr auf 6,8 Prozent fallen soll. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum liegt mit 4,6 bis 5,0 Prozent über dem Schnitt der Kandidatenländer. Die positiven Wirtschaftsdaten spiegeln sich in einer steigenden Kaufkraft wieder, die inzwischen 52 Prozent des EU-Schnitts erreicht.

Probleme gegenüber Österreich sind zuletzt in ungewohnt scharfer Form von Ministerpräsident Viktor Orban artikuliert worden, der ein rigoroses Vorgehen gegen so genannte Taschenverträge, mit denen Ausländer illegal Boden in Ungarn erworben haben, ankündigte. Auch bei der Verhandlungen mit der EU gilt das Thema Landerwerb als besonders sensibel, die von Budapest geforderten zehn Jahre Frist sind für Brüssel inakzeptabel. Die scharfen Worte von Orban hatten aber auch eine zweite Bedeutung: Der Wahlkampf für die Parlamentswahlen im Frühjahr 2002 ist damit eröffnet.

Wichtige Daten und Kennzahlen:

  • Fläche: 93.030 km2
  • Bevölkerung: 10.043.000 (2001)

  • Staatsform: Parlamentarische Republik
  • Präsident: Ferenc Madl (seit 2000)
  • Regierungschef: Viktor Orban (Bund Junger Demokraten, FIDESZ), seit 1998
  • Regierung: Mitte-Rechts-Koalition von FIDESZ mit Kleinlandwirten; Neuwahlen 2002, FIDESZ hat nach Umfragen gute Chancen, stärkste Partei zu bleiben

  • Wirtschaftsentwicklung
  • BIP (1999): 11.486 Mrd. Forint (46,4 Mrd. Euro/638 Mrd. S)
  • Produktionsstruktur (1998, in Prozent des BIP):
    Landwirtschaft 5,5
    Industrie 28,2
    Bauwirtschaft 4,6
    Dienstleistungen 61,7
  • Inflation (1999, gegenüber Vorjahr): 10,0 Prozent
  • Handelsbilanz (1998) Exporte 20,533 Mrd. Euro (283 Mrd. S) Importe 22,592 Mrd. Euro (310 Mrd. S) (APA)
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