Studiengebühren schrecken Studierende ab

3. August 2001, 10:12
112 Postings

Studie weist Minus von 70.000 Hochschülern aus - ÖH und Gehrer uneins über Gründe

Wien - In seltener Einigkeit gehen sowohl Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) als auch die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) davon aus, dass es nach Einführung der Studiengebühren im Herbst um rund 70.000 Studierende weniger geben wird als bisher. Bei den vermuteten Ursachen endet die Einigkeit allerdings bereits wieder: Gehrer spricht in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von einer "Bereinigung", diese ist für ÖH-Chefin Anita Weinberger schlicht "ein Mythos".

Rückgang um knapp 30 Prozent

Derzeit sind an den heimischen Universitäten rund 244.000 ordentliche und außerordentliche Hörer inskribiert. Laut einer von der ÖH in Auftrag gegebenen Studie werden es im kommenden Herbst rund 70.000 oder knapp 30 Prozent weniger sein.

Gehrer hatte wiederholt betont, dass die Zahlen, die man bisher von den Universitäten erhalten habe, falsch seien. In der Anfragebeantwortung verwies sie auf die Studie "Weniger (Schein)Inskriptionen - gleichbleibende Studienaktivität". "70.000 Scheininskribierte sind ein Mythos" konterte die ÖH in einer Aussendung. Die Rechnung, keine Prüfung im Semester ist gleich Scheinstudent, sei falsch. So gebe es etwa Berufstätige, Doktoratsstudenten, Studierende mit Auslandssemester und viele andere, die sich nicht ausschließlich ihrem Studium widmen könnten", so Weinberger. Nach Ansicht der ÖH wird ein Großteil der 70.000 ihr Studium aus finanziellen Gründen beenden.

VP-Amon: "Politisches Hick-Hack"

ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon forderte von der ÖH, sich vom "politischen Hick-Hack" zu verabschieden und sich auf eine seriöse Studentenberatung zu konzentrieren. "Jeder, der studieren will kann studieren", betonte Amon. Im Budgetjahr 2002 werde das Budget für Studienbeihilfen um 430 Millionen auf zwei Milliarden Schilling aufgestockt. Amon erwartet außerdem durch die Absolventen der Fachhochschulen ein Ansteigen der niedrigen Akademikerquote in Österreich.

Kritik an Gehrer kam von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl. Wenn die Ministerin über jeden Studenten weniger Genugtuung empfinde, "stellt sich die Frage, ob sie auf dem richtigen Posten sitzt", hieß es in einer Aussendung. Weiters will die SPÖ-Politikerin wissen, wie die Regierung "ihr selbst gestecktes Ziel, eine Akademikerquote von 20 Prozent bis 2010" erreichen wolle, nachdem sie zig Tausenden Studierenden den Weg an die Unis verbaut habe.

Schützenhilfe von den Grünen

Schützenhilfe erhielt die ÖH vom Grünen Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald. Sich angesichts der niedrigen Akademikerquote über sinkende Studentenzahlen zu freuen, sei "abstrus". Der Mandatar bemängelte, dass gerade jene Akademiker, welche für den Transfer zwischen Wirtschaft und Unis sorgten - nämlich berufstätige Dissertanten - sich durch die Studiengebühren von der Uni vorzeitig verabschieden werden. (APA)

Share if you care.