Buchhandel kontert Banken

30. Juli 2001, 13:12
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Gremialvorsteher Kernstock geht mit Banken wegen "rückhaltloser" Kreditvergabe an Libro hart ins Gericht

Wien - Michael Kernstock, der Gremialvorsteher der Wiener Buchhändler, geht mit den Banken in der Causa Libro hart ins Gericht: "Was mich besonders stört ist, dass die Banken, die vorher völlig rückhaltlos Kredite vergeben haben, beim gescheiterten Libro noch einmal etwas draufzahlen." Weiterer Kritikpunkt: "Wenn Libro gesundschrumpft und neu durchstartet, werden wieder kleine Unternehmer zusperren müssen. Das ist noch nicht ausgestanden", sagte Kernstock im STANDARD-Gespräch.

Also dürfe die zweite Großinsolvenz im österreichischen Buchhandel - nach der Pleite der Verlagsbuchhandlung Lechner in der Mitte der Neunzigerjahre - "niemanden wirklich froh machen, auch wenn sich so mancher über das Stolpern von arroganten, eingebildeten Managern freuen mag." Kernstock gibt trotz allem zu, dass auch ohne Libro der heimische Buchhandel von großen Ketten in die Zange genommen worden wäre. "Es ist in der Branche ein offenes Geheimnis, dass Hugendubel (Münchner Buchhandelskonzern, Anm.) nach Wien will." Besonders der nach wie vor profitable Standort der Libro-Tochter Amadeus an der Adresse Mariahilfer Straße 99 hätte es den Bayern angetan. Offiziell hat die Münchner Zentrale bis dato aber alle Gelüste einer weiß-blauen Übernahme von Amadeus dementiert.

Stagnation

Insgesamt müsse der heimische Buchhandel mit einem seit zwei Jahren stagnierenden Markt leben. Das sei aber ein Phänomen des gesamten deutschsprachigen Raumes. "Wir stehen eben auch in Konkurrenz zum Freizeitbereich, zu neuen Sportgeräten." Die von Libro durch Expansion vorangetriebene "Marktöffnung" - sprich: Marktvergrößerung - habe sich zuletzt nicht mehr fortsetzen lassen. Mit dem neuen nationalen Buchpreisbindungsgesetz, das seit einem Jahr gilt, ist "die Branche sehr zufrieden". Dass die Preise stabil sind, nütze auch den Konsumenten, argumentiert Kernstock. Die grenzüberschreitende Preisbindung sei im Übrigen "auch von Herrn Rettberg (André, ehemaliger Libro-Vorstandschef, Anm.) am meisten bekämpft worden. Gebracht hat das gar nichts, außer dass er Millionen an seine Political Agents gezahlt hat. Wir an unsere übrigens auch." (szem, DER STANDARD, Printausgabe 30.7.2001)

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