Die Erlösung vom Lamagespann

13. September 2004, 14:52
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Beim Peugeot 406 Coupé mit 2,2-Liter-HDI-Motor haben die französischen Techniker slogangemäß die "Perle der Diesel" kreiert. Und das dermaßen souverän, dass wir ehrlich und echt beeindruckt sind.


In den Achtzigerjahren, als wir - zur unpragmatischen Hälfte der Menschheit gehörend - noch mit Autoquartetten gespielt haben, taten wir das schon mit Wehmut. Antizipativer Wehmut.

Angesichts der Horrormeldungen von der Umweltfront, die uns die pragmatische Hälfte der Menschheit, gewandet in Batikleiberln und Indiaschals, permanent reindrückte, war uns nämlich klar: Solche Autos, wie wir sie von den Quartetten kannten, werden wir später nie fahren dürfen. Spätestens 1993 würden die verboten werden. Wir werden Elektroautos benützen müssen, mit Beschleunigungswerten wie ein Lamagespann, wir armen Buben.

Potentieller Ampelstartgewinner

Und jetzt, 20 Jahre später? Die Existenz eines Lamborghini lässt sich noch immer nicht durch Vernunftargumente erklären. Dafür gibt es zumindest Sportcoupés, elegant wie Raubkatzen, die einen Dieselmotor unter der Haube haben, der 133 PS leistet, damit nicht alle, aber viele Ampelstarts gewinnt (mit 314 Nm Drehmomentmaximum bewegt es sich im Bereich der deutschen Oberklasse-Dieselmonster). Dabei werden gerade einmal sieben Liter Sprit pro hundert konsumiert und noch dazu die Abgase vom Dieselruß per Partikelfilter gereinigt. Immerhin.

Aus nageln wird röhren

Klar, man muss sich Kommentare anhören wie: "Das hört sich ja fürchterlich an, wie der nagelt. Ein Diesel passt halt nicht in so ein Auto, da kann man machen, was man will." Wurscht. Glauben Sie mir das. Im Cockpit des 406er Coupé HDI hört sich das Nageln an wie ein sonores Röhren. Die Akustiker von Peugeot haben ganze Arbeit geleistet. Außerdem hat die Version "Exclusive" neben der Lederwäsche auch eine ziemlich fette, wie man so sagt, Audioanlage eingebaut.

Carrozzeria Pininfarina

Auch die Designer können etwas. Dass das Coupé auch im vierten Jahr der Fertigung noch immer nicht alt, sondern vielmehr klassisch aussieht, ist dem Weitblick und der Gelassenheit einer Carrozzeria Pininfarina zu verdanken. Auch im Innenraum herrscht elegante Ergonomie, was in anderen Automobilen ebenso solche Zielkonflikte verursacht wie Spritzigkeit bei sparsamem Motor.

Die Straßenlage ist souverän, straff und trotzdem komfortabel, was unter anderem daher rührt, dass Fahrwerkskomponenten aus der 406er-Coupé-Version mit V6-Benzinmotor - 207 PS - stammen. Die gibt's nämlich auch noch.

STECKBRIEF
Peugeot 406 Coupè 2,2 HDI Exclusive

MOTOR
  
Common-Rail-Direkteinspritzer Turbodiesel (4 Zyl.)
Hubraum
 2.179 cm3
Leistung
98 kW / 133PS bei 6000 U/min
314 Nm
FAHRLEISTUNGEN
  
0-100 km/h ca.
10,9 sec.
Höchstgeschwindigkeit
201 km/h
ANTRIEB
  
Manuelles Fünfgang-Getriebe
VERBRAUCH  
In Litern (Stadt/Land/Mix)
8,8/4,9/6,4
GESAMTLÄNGE  
In mm
4.615
PREIS
ab öS 483.000,- (35.101 EUR)
Von Leo Szemeliker

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