Weiter Diskussionen um Schulz-Fresken von 1942

31. Mai 2001, 14:01
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Jad Vaschem gegen Vorwürfe des "Kunstdiebstahls"

Jerusalem/Warschau - Vor zehn Tagen waren Fresken des polnisch-jüdischen Schriftstellers und Künstlers Bruno Schulz aus dem ukrainischen Ort Drohobycz durch Medienberichte als vermisst gemeldet worden, am Mittwoch sind sie in Israel wieder aufgetaucht. Die Fresken im ehemaligen Ostpolen waren erst im Febrauer von dem deutschen Dokumentarfilmer Benjamin Geissler entdeckt worden.

Bei den Szenen aus Märchen, die Schulz im Auftrag eines Gestapo-Offiziers während der deutschen Besetzung Polens malen musste, handelt es sich um die letzten Werke des Künstlers, der vor allem als Verfasser des Buches "Die Zimtläden" bekannt wurde. Sie zeigen auch sein vermutlich letztes Selbstporträt. Er war 1942 von einem SS-Mann auf der Straße erschossen worden.

Die israelische Holocaust- Gedenkstätte Jad Vaschem hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Fresken des polnisch-jüdischen Schriftstellers und Künstlers Bruno Schulz illegal und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Israel entfernt. Eine Sprecherin der Forschungsstätte sagte am Donnerstag, Experten von Jad Vaschem seien seit Monaten offiziell in Kontakt mit den ukrainischen Behörden gewesen und hätten die Fresken, "die sich bereits von den Wänden ablösten" in völliger Übereinstimmung mit den Besitzern des Hauses abgetragen und nach Israel gebracht.

Die Eigentümer der so genannten Landau-Villa, ein Rentnerpaar, hätten "zugestimmt, die Skizzen an Jad Vaschem zu übergeben, vorausgesetzt, dies würde durch Unterschriften bestätigt". Die Experten von Jad Vaschem hätten mit den örtlichen Behörden im ukrainischen Drohobycz zusammen gearbeitet. Bürgermeister Aleksej Radzijewsij habe Jad Vaschem sogar einen Brief übergeben, "in dem er die Zusammenarbeit zwischen Jad Vaschem und der Stadt Drohobycz in Erinnerung an den Holocaust und im Gedächtnis an Bruno Schulz preist", hieß es in der Erklärung weiter.

In einer am Mittwoch in polnischen Medien veröffentlichten Stellungnahme hatte Jad Vaschem betont, das Holocaust Museum in Jerusalem sei der beste Ort für die Ausstellung der Werke von Schulz.

In Polen wurde die Entfernung der Fresken auch am Donnerstag scharf kritisiert. Das polnische Kulturministerium verlangt von der Ukraine eine Erklärung, wie die Fresken verschwinden konnten. Marek Siwiec, der Sicherheitsberater des polnischen Präsidenten, hatte am Vortag in einem Rundfunkinterview das Vorgehen von Jad Vashem als Rechtsbruch kritisiert.

"Das ist skandalös", sagte Wieslaw Budzynski, Autor einer Schulz- Biographie, der Zeitung "Zycie". "Ich habe Jad Vaschem immer für eine Institution gehalten, die das Gewissen der Welt ist, aber das, was hier geschehen ist, ist Diebstahl."

Geissler sprach sich dafür aus, dass die Fresken zurück in die Ukraine gelangen. "Weder die Polen, noch die Deutschen, noch die Israelis, oder vielmehr Yad Vashem, haben da etwas zu sagen", sagte er der Zeitung "Rzeczpospolita". Stattdessen solle in der Landau- Villa ein Museum entstehen, in dem sowohl an Schulz wie auch an den Holocaust erinnert wird.

Die ukrainischen Behörden haben polnischen Medienberichten zufolge bisher keine offizielle Information über den Verbleib des Fresken erhalten. Das Kulturministerium der Ukraine hatte die Fresken erst kürzlich in das Register des Nationalen Kulturerbes aufgenommen. (APA/dpa)

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