Kärnten: Tschetschenischen Flüchtlingen droht weiter Zwangsverlegung

30. Mai 2001, 14:55
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Flüchtlingsreferat setzt weiter auf Härte

Klagenfurt - Der Hoffnungsschimmer währte nur kurz: Nach wie vor muss die aus Tschetschenien geflohene Familie A. befürchten, zwangsweise von Kärnten in die Steiermark verlegt zu werden. Das Innenministerium bezahlt in der so genannten externen Bundesbetreuung nur die Sozialversicherungsbeiträge für die Familie sowie die Spitalskosten für Frau A., die sich seit ihrem psychischen Zusammenbruch während der "Abschiebeaktion" im Landeskrankenhaus Klagenfurt befindet.

Die Kosten für die private Notunterkunft sowie für die Verpflegung müssten die Flüchtlinge selbst aufbringen. Da sie über keinerlei Mittel verfügen, springt für sie derzeit der Betreuungsverein Aspis ein, der sich jedoch eine langfristigere Unterstützung der fünfköpfigen Familie auch nicht leisten kann. "Man will halt jetzt auch uns über den finanziellen Druck disziplinieren", ärgert sich Aspis-Obmann Klaus Ottomeyer.

Der Ball liegt beim Land

Das Kärntner Flüchtlingsreferat könnte einen Ausweg finden, wolle aber offensichtlich nicht, meint Ottomeyer. Es müsste nur den Antrag auf die Verlegung in die Steiermark zurückziehen. Derzeit weiß man aber nicht einmal in der Zentrale, im Flüchtlingslager Traiskirchen, ob es überhaupt ein freies Quartier in der Steiermark gibt. Im Übrigen pocht man auch dort auf "Amtsverschwiegenheit"; der Ball liege bei Kärnten.

Kommenden Freitag will der Verein Aspis eine neuerliche Aussprache mit dem Kärntner Flüchtlingsreferat suchen. "Es ist für Frau A. völlig unzumutbar, dass sie in ihrem psychischen Zustand von ihrer Familie getrennt wird", warnt der Leiter des Zentrums für seelische Gesundheit am LKH, Primarius Thomas Platz. Die Frau müsse "sicher noch für einige Zeit in Nachbehandlung bleiben".

Zum Eklat war es gekommen, weil Herr A. sich in der Flüchtlingspension "Pirkerhof" in Krumpendorf über verwässerte Milch für seine Kinder beschwert und einen geschenkten Computer eingeschaltet hatte. Das Flüchtlingsreferat beantragte daraufhin beim Innenministerium die Zwangsverlegung. Aspis will nun eine Spendenaktion starten. (DER STANDARD Print-Ausgabe 30. 5. 2001)

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