Spanischer König mit zwei Schädeln

29. Mai 2001, 18:06
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Gentechnologie soll Rätsel klären

Madrid - Im Grab von König Jakob I. von Aragon (1213-1276) haben spanische Forscher zwei Schädel entdeckt. Wie die Zeitung "El Pais" am Dienstag berichtete, soll nun mit den Mitteln der Gentechnologie geklärt werden, welcher Kopf Jakob dem Eroberer wirklich gehörte - oder ob vielleicht beide Schädel falsch sind. Jakob, in Spanien unter dem Namen Jaime I. bekannt, hatte die Balearen und die Gegend von Valencia von den maurischen Herrschern zurückerobert. Sein Königreich Aragon wurde 1492 mit der Krone von Kastilien zum heutigen Spanien vereinigt.

Der Wirrwarr um den Schädel des Königs geht auf Zerstörungen und Plünderungen der Königsgräber im Kloster von Poblet bei Tarragona im Jahr 1837 zurück. Ein Archäologe machte sich 1844 daran, die durcheinander geworfenen Knochenreste zu sortieren. Das Skelett von Jakob identifizierte er anhand des ungewöhnlich großen Körperwuchses des Königs. Beim Schädel entschied er sich für ein Exemplar mit einer markanten Verletzung; denn aus den Chroniken war bekannt, dass Jakob bei der Eroberung Valencias von einem Pfeil verwundet worden war.

Mitte des 20. Jahrhunderts fiel Experten auf, dass die Verletzung am Schädel so groß war, dass sie nicht von einem Pfeil stammen konnte. Sie identifizierten einen anderen Kopf als den des Königs, wagten es aber nicht, den "bisherigen" Schädel aus der Grabstätte zu entfernen. So lag Jakob über 50 Jahre lang mit zwei Schädeln im Grab. (APA)

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