Politikum Klagenfurter Seebühne: "Private Betreiber" teils sehr FP-nahe

31. Mai 2001, 15:36
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Haider sieht weiter "gutes Geschäft"

Klagenfurt - Die von Landeshauptmann Haider am 15. Mai getätigte Ankündigung, die Klagenfurter Seebühne werde vom Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt mit 2002 an eine "neue privatwirtschaftliche Gesellschaft übergeben", hört nicht auf, ein Politikum zu sein.

Haiders Forderung, die Stadt solle am Metnitzstrand zusätzlich 3.000 Quadratmeter Grund überlassen, stieß auf heftigen Widerstand. Auch bei der deutsch-österreichischen Gesellschaft, mit der Haider das "gute Geschäft" abwickeln will, wurden Zweifel geäußert.

So sickert die Zusammensetzung der Gesellschaft nur stückweise durch: Elisabeth Kaufmann-Bruckberger aus Gumpoldskirchen, Heurigenwirtin und nach der Flucht von Peter Rosenstingl kurzfristig Vorsitzende des Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender in Niederösterreich, hält 20 Prozent der Anteile.

Verwunderung über Lobreden

Haider hatte erklärt, die vorgesehene Wörtherseebühne-Vertriebs- und VerwertungsGmbH unterhalte einen Kooperationsvertrag mit dem Intendanten Berliner des "Theaters des Westens", Elmar Ottenthal. Verwunderung herrscht nun über die Lobreden von Haider über Ottenthal, dem auch designierten künstlerischen Verantwortlichen der Klagenfurter Seebühne. Ihn hatte Haider anlässlich der Bekanntgabe des Verkaufs als "führenden Mann im Musical in Europa" bezeichnet.

Ottenthal leite ein "hoch subventioniertes Theater" (Theater des Westens in Berlin), sagte der Intendant des Klagenfurter Stadttheaters, Dietmar Pflegerl. Laut "Kärntner Woche" betragen die Subventionen jährlich 20 Millionen Mark (rund 140 Mill. Schilling). Seine jüngste Produktion, "Schwejk it easy" von Konstantin Wecker, sei bei der Kritik "nicht gerade gut" angekommen, heißt es weiter.

Haider dementiert alle Meldungen, die im Zusammenhang mit dem Verkauf der Seebühne von einem "drohenden Flop" sprechen. Der bevorstehende Verkauf sei ein "ausgezeichnetes Geschäft", wofür man in anderen Bundesländern viel Lob ernten würde. Land und Stadt würden durch den Verkauf die bisherigen Investitionskosten in Höhe von 54 Mill. S zurück erhalten. Der laufende Leasingvertrag von Land Kärnten und Stadt Klagenfurt, der über die Hypo Alpe Adria-Bank abgewickelt wird, werde nun in aller Ruhe für die neuen Betreiber ausverhandelt. Die überaus erfolgreiche Bühne in ein schiefes Licht zu rücken, sei nur ein neuerlicher Versuch jener, die die Bühne schon immer gerne verhindern wollten.

Rätselraten um Betreiber: Zu 20 Prozent FP-nahe?

Die Kärntner Sozialdemokraten haben sich von Beginn an gegen einen Verkauf ausgesprochen. Ihr Vorsitzender LHStv. Peter Ambrozy hat inzwischen mehrmals Aufklärung gefordert, wer hinter der Gesellschaft steckt. Er berichtete von einer Anfrage bei jener Grazer Anwaltskanzlei (ihr Sprecher ist Michael Großschedl), die als Treuhänder fungiert. Die Antwort habe gelautet: Man sei noch immer dabei, Gesellschafter zu finden. "Das ist skandalös", sagte der SP-Chef.

Laut der "Kleinen Zeitung" von Donnerstag soll Großschedl der "Kopf" sein und auch 30 Prozent der Anteile an der Wörtherseebühne-Vertriebs- und VerwertungsGmbH halten. Bei Großschedls Partnern handelt es sich um die beiden deutschen Firmen Yellow Kulturmanagement GmbH und Entertainment Vision Licence und Production AG mit Sitz in Hamburg, die jeweils 25 Prozent Anteil haben, sowie der Gastronomin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger in Gumpoldskirchen, die 20 Prozent hält. Die Heurigenwirtin stand nach der Flucht von Peter Rosenstingl kurzfristig dem Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender in Niederösterreich vor. Dass auch der Sprecher von Landeshauptmann Jörg Haider (F), Karlheinz Petritz, Gesellschafter sei, wurde von Großschedl bestritten.

Was die Probleme mit der Stadt betrifft, ist der Grazer Anwalt zuversichtlich, sich zu einigen: "Von unserer Seite besteht jedenfalls die Bereitschaft zu einem Konsens".

Proteste und Warten auf den 12. Juni

Ambrozy wunderte sich auch darüber, dass die Stadt Klagenfurt die Zustimmung zum Verkauf der Seebühne erteilt habe, weil damit die Seepromenade am Metnitzstrand "für Monate verbarrikadiert wird". Die Reaktion von Bürgermeister Harald Scheucher (VP) auf die Forderung, von Mai bis September 3.000 Quadratmeter zu überlassen: "Nur über meine Leiche." Der Metnitzstrand sei das beliebteste Naherholungsgebiet der Landeshauptstadt und werde im Sommer von Tausenden Menschen bevölkert. "Drei Hektar einfach auf Monate zu sperren, kommt überhaupt nicht in Frage", sagte der Bürgermeister. Er sei bereit, den Platz für eine Sektbar und für Toiletten zur Verfügung zu stellen, wie dies bereits im vergangenen Jahr bei der Aufführung des Musicals "Rocky Horror Show" der Fall gewesen sei. Darüber soll am 12. Juni bei einem Lokalaugenschein verhandelt werden.

Bezüglich der Parkplatzsorgen versuchte Haider, Entwarnung zu geben. Für Scheucher gehe es in dieser Frage nur darum, neben dem Strandbadbetrieb auch den zusätzlichen Besucherverkehr für die Seebühne geordnet abzuwickeln. Das werde aber an den Spieltagen auf der Seebühne für Haider "auch kein unlösbares Problem darstellen". (APA)

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