Indisches Höchstgericht fordert Ende von Geschlechtstests

24. Mai 2001, 20:16
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In Indien werden millionenfach Embryonen abgetrieben, wenn der Ultraschall-Test ein Mädchen anzeigt

London - Das Höchstgericht Indiens hat die Regierung aufgefordert, das Verbot der sexuellen Selektion von Embryonen endlich durchzusetzen: In Indien werden millionenfach Embryonen abgetrieben, weil der Test - mit Ultraschall - ihnen ablesen kann, dass sie Mädchen sind.

Zwar sind die Tests seit 1994 verboten, aber das Gesetz hat keinerlei Kraft: Eine gerade abgeschlossene Volkszählung erfasste bei den bis zu sechs Jahre alten Kindern 82 Millionen Burschen, aber nur 76 Millionen Mädchen. Mit der natürlichen Verteilung hat das wenig zu tun: Kamen 1991 noch 945 Mädchen auf tausend Burschen, sind es im Jahr 2001 nur 927.

Die Hintergründe liegen in der traditionell geringen Schätzung weiblichen Nachwuchses in der indischen Kultur - früher wurden Mädchen oft nach der Geburt getötet - und der in Indien offiziell verfochtenen Kleinfamilie. Künftige Gentests werden die Situation verschärfen. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe 25. 5. 2001)

The Lancet, Vol. 357, S. 1599
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