Es staut sich bereits auf dem Boden

22. Mai 2001, 19:37
3 Postings

Wiener Flughafen stößt an seine Kapazitätsgrenzen - Ausbauprogramme laufen

Wien - Vienna International Airport, Pier Ost, Flugziel: irgendwo in den USA. Dass das neue Flugleitsystem um 20 Prozent mehr Maschinen in der Luft zulässt, ist zunächst Wurscht, denn es staut sich bereits am Boden. "Hier sind wir an den Grenzen", erklärt Airport-Sprecher Hans Mayer. Verzögerung durch Personenchecks und Raumnot.

Hat sich der Stau am Terminal aufgelöst, staut es sich auf der Piste, denn die Maschine hat natürlich die vorgesehene Startzeit verpasst. Diesen Stau kann das neue Flugleitsystem zeitlich beschränken. Da nun mehr Jets in der Luft sein können, können sie auch schneller nacheinander starten.

"Im internationalen Bereich außerhalb der Schengen-Grenzen wird es zu Spitzenzeiten immer enger", so Mayer. Daher werde der Pier Ost im Herbst erweitert: mehr Platz für die Kontrollen und sechs weitere Busterminals. Zusätzliche Erweiterungen sollen danach folgen - für die Passagierabfertigung und für die Frachtbeförderung. Erst diesen Dienstag fand die Gleichenfeier eines neuen Frachtlogistikzentrums statt, das im September in Betrieb gehen soll. Und bis 2007 soll der Wiener Flughafen einen weiteren Flugterminal erhalten. Denn das Passagieraufkommen nehme laut Mayer ständig zu (siehe Grafik).

Staus am Wiener Flughafen seien aber vergleichsweise harmlos, erklärt Ralph Preclik, Sprecher der Austrian Airlines (AUA). Denn noch würden die Kapazitäten der Lande- und Startpisten ausreichen. "In London-Heathrow und Paris, Charles de Gaulle, geht beinahe nichts mehr." Ein kleine Planänderung und enorme Verspätungen seien unumgänglich. Daher sei gerade dort das neue Flugleitsystem notwendig. Denn dieses System diene primär dazu, die Pünktlichkeit der Flüge zu optimieren. Falls man als zahlender Passagier überhaupt befördert wird.

"Das mit den Überbuchungen ist ein Problem, gegen das kein Flugleitsystem und kein Flughafenausbau hilft", gesteht Preclik. Viele Passagiere würden zu den gebuchten Terminen nicht erscheinen. Um nicht mit halb leeren Maschinen herumzufliegen, würden mehr Passagiere gebucht, als Platz finden. Normalerweise ginge sich das aus. Hin und wieder halt nicht.

Betroffene Passagiere erhielten entweder den Preis des Tickets zurück oder je nach Flugdistanz und Zeitverzögerung bis zum nächsten Flug eine Entschädigung von 75 bis maximal 300 Euro (1032 bis 4128 Schilling). Ein möglicher Geschäftsentgang durch Nichtbeförderung trotz bezahltem Ticket könne aber nicht eingeklagt werden.

Bei Fluggesellschaften mit generell hoher Auslastung, etwa Lufthansa, würde man trotz Ticket öfter am Boden bleiben als bei Gesellschaften mit geringerer Auslastung, etwa AUA, so Preclik. (Der Standard, Printausgabe, 23.05.2001)

Share if you care.