Schmieren oder Schmiere

21. Mai 2001, 20:33
posten

Sportverbände, speziell die FIFA, geraten ins Zwielicht

Neuss/Zürich - Der Konkurs des einst weltgrößten Sportvermarkters ISL/ISMM hat den internationalen Sport in seinen Grundfesten erschüttert und soll nun auch den Präsidenten des Internationalen Fußballverbandes FIFA, Joseph Blatter, bedrohen. Nach Informationen aus Schweizer Vermarktungskreisen, die der Süddeutschen und der Berliner Zeitung vorliegen, soll die in Konkurs gegangene Agentur in Liechtenstein eine Stiftung mit dem spanischen Namen Nunca unterhalten haben. Schwarze Konten in Liechtenstein sollen mit "einer Größenordnung von 60 Millionen Schweizer Franken" ausgestattet sein, "die zum Schmieren der Türangeln auf höchster Sportverbandsebene bestimmt gewesen seien", schreibt die Süddeutsche. Auch das IOC könnte betroffen sein.

Sollte sich die Existenz der schwarzen Kassen offiziell bestätigen, könnten sich automatisch Vermutungen anschließen, wie ISL, 1981 von Adidas-Chef Horst Dassler gegründet, immer wieder an milliardenschwere Verträge gelangt ist. FIFA-Pressesprecher Andreas Herren wies jede Beteiligung von sich: "Es soll diese Stiftung geben. Es ist eine ISMM-Stiftung, aber wir haben von ihrer Existenz nichts gewusst. Die FIFA ist wie andere Sportverbände auch nur ISL-Kunde."

Die Zürcher Weltwoche hatte zuletzt ISL-Manager mit den Worten zitiert: "Wenn die ISL untergeht, dann stürzt auch Blatter." Es habe ein "namentlich bekannter Anwalt" auf dem FIFA-Hauptsitz in Zürich vorgesprochen und mit Schlammschlacht und Anzeige gegen Blatter gedroht, falls die FIFA die ISL jetzt fallen lasse.

Der französische Konzern Vivendi hatte zuletzt sein Sanierungsangebot für ISL zurückgezogen. Die FIFA räumte immerhin ein, dass der Fall ISL den "kommerziellen Markt in Turbulenzen" versetzt habe. Unabhängig davon behauptet die FIFA, dass die Marketingrechte an den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie die weltweiten TV-Rechte außer Europa und USA nicht zur Konkursmasse gehören. (sid)

Share if you care.