Liberale in Montenegro wollen Minderheitsregierung unterstützen

21. Mai 2001, 16:55
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Koalitionsverhandlungen mit allen anderen Parlamentsparteien abgebrochen

Belgrad/Podgorica - Bei den Koalitionsverhandlungen in Montenegro dürfte es am Montag zu einer Wende gekommen zu sein. Der Spitzenfunktionär des Liberalen Bundes Montenegros, Slavko Perovic, erklärte, seine Partei wolle eine Minderheitsregierung des bisher regierenden Bündnisses "Sieg für Montenegro" unterstützen. Die Koalition, die im Parlament 36 von 77 Sitzen hat, setzt sich aus der Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) und der Sozialdemokratischen Partei zusammen.

Dies würde nach Worten von Perovic der Koalition ermöglichen, ihr Wahlversprechen, allen voran die Ausschreibung eines Unabhängigkeitsreferendums, umzusetzen. Seine Partei habe alle Koalitionsverhandlungen mit den anderen Parlamentsparteien inzwischen abgebrochen, sagte Perovic. Die Verhandlungen zwischen dem Block "Sieg für Montenegro" und dem Liberalen Bund waren am Sonntagabend an zu hohen Forderungen der kleinen Partei gescheitert.

Die Ankündigung des Liberalen Bundes erfolgte, nachdem Spitzenpolitiker der DPS Koalitionsverhandlungen mit dem Oppositionsbündnis "Gemeinsam für Jugoslawien", einem Gegner der staatlichen Unabhängigkeit Montenegros, aufgenommen hatten. "Gemeinsam für Jugoslawien" hat 33 Parlamentssitze, der Liberale Bund ist im Parlament mit sechs Abgeordneten vertreten.

In Podgorica wird am Montagabend der jugoslawische Praesident Vojislav Kostunica erwartet, meldete die Nachrichtenagentur SRNA unter Berufung auf DPS-Kreise. Offiziell wurde der Besuch Kostunicas nicht bestätigt. Der jugoslawische Staatschef hatte sich vergangene Woche bereit erklärt, Montenegro zu besuchen, um mit Präsident Milo Djukanovic Gespräche über die Umgestaltung der Republik Jugoslawien aufzunehmen. Belgrad setzt sich für eine Föderation mit stark reduzierten Befugnissen der Bundesbehörden ein, die montenegrinische Regierung hatte dagegen eine Union von zwei unabhängigen Staaten - Serbien und Montenegro - vorgeschlagen. (APA)

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