Nahost: Hilfloser, blutiger Akt - Von Gudrun Harrer

20. Mai 2001, 21:56
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Gute Presse hat Ariel Sharon keine, innerhalb und außerhalb Israels nicht, nachdem seine Armee erstmals in diesem Konflikt mit Kampfflugzeugen auf palästinensische Ziele losgegangen ist. Die israelische Führung hat mit diesem Einsatz ihre Taktik verlassen, palästinensische Gewalt zwar brutal, aber nach der ihr eigenen Logik "sinnvoll" zu beantworten: nicht nur Rache zu üben, sondern auch gleich mutmaßliche Terrorquellen auszuschalten. Diesmal lief es anders. Bekannt hat sich die Hamas, bestraft wurden die üblichen Verdächtigen.

Der Angriff von Freitagabend war, so gesehen, wenn auch blutig, ein ziemlich hilfloser Akt. Ebenso hilflos ist es, gleich darauf wegen der - selbst eifrig betriebenen - Eskalation die USA anzurufen. Apropos Eskalation: Wenn beim nächsten Terroranschlag, Gott behüte, zwanzig Menschen getötet würden, schreibt Doron Rosenblum am Sonntag in einem Kommentar in Haaretz, was geschieht dann? Eine Atombombe auf Ramallah?

Ob sich die mittlerweile nicht mehr ganz so neue amerikanische Regierung früher oder später zu einer Haltung bequemt, ist noch nicht abzusehen. Tadelnde Töne aus Washington an die Adresse von Sharon werden konterkariert durch die Weigerung, Arafat in die USA einzuladen. Die Arabische Liga, die am Samstag unter ihrer neuen Führung, dem ägyptischen Exaußenminister Amr Moussa, hart auftrat, hat es da nur scheinbar leichter. Ob dem Aufruf zur "Suspendierung" der politischen Beziehungen zu Israel Taten folgen? Der Nachfolger Moussas im ägyptischen Außenministerium, Ahmed Maher, früherer Botschafter in Washington und Teilnehmer am ägyptisch-israelischen Camp David von 1978, gilt jedenfalls als Mann der Amerikaner und klares Zeichen dafür, dass Kairo trotz fast bedingungsloser Unterstützung für Yassir Arafat keine Absicht hat, mit den USA zu brechen. Und das könnte es sich - und noch weniger Amman - auch gar nicht leisten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. Mai 2001)

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