Wien und Frankfurt unter Druck

20. Mai 2001, 19:29
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Die Neuberechnung der Morgan-Stanley-Indizes könnte zu Kursverlusten führen

Genf/Wien - Die Neuberechnung der MSCI-Aktienindizes nach dem so genannten Streubesitz wird wie erwartet zulasten der Gewichtung von Ländern mit geringen Streubesitzanteilen, also etwa Deutschlands und Österreichs, in den Barometern gehen. Wie die Morgan Stanley Capital International (MSCI) mitteilte, wird der Anteil deutscher Titel in den großen länderübergreifenden Kursbarometern deutlich verringert. Auch der Anteil österreichischer Aktien wird kleiner. Da Investmentfonds sehr oft die Indizes nachzeichnen, ist zu befürchten, dass parallel zu den Neugewichtungen der Indizes deutsche wie auch österreichische Aktien in den nächsten Tagen unter Druck kommen. Zu den weiteren Verlierern gehören Japan, Italien und Frankreich, während Großbritannien, die USA und Irland an Gewicht gewinnen werden.

Bei den Branchen kommt es unter anderem zur Höhergewichtung von Technologie und Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Autobau verlieren dagegen Anteile. Analysten rechnen mit gravierenden Umschichtungen an den Aktienmärkten infolge der Index-Umstellungen. MSCI will wie bereits andere Anbieter von Kursbarometern ab November in zwei Stufen die Gewichtung der Unternehmen beziehungsweise Länder in den jeweiligen Indizes auf den Streubesitz (Freefloat), also die Zahl der frei handelbaren Aktien der Firmen umstellen. Zudem plant MSCI eine Erhöhung der bisherigen Marktabdeckung durch die Indizes. Abgeschlossen sein soll die Reform im Mai kommenden Jahres.


Umschichtungen

Die Änderungen bei der Gewichtung von Firmen in den Kursbarometern beziehungsweise bei der Zusammensetzung der Indizes wird einer Studie der Deutschen Bank zufolge zu Umschichtungen bei Aktieninvestments im Wert von 150 Milliarden Dollar führen. Experten schätzen, dass die MSCI-Indexfamilie insgesamt rund 3,5 Billionen Dollar Fondsvermögen auf sich vereint und glauben, dass die Reform die Finanzmärkte über Monate hinweg in Bewegung halten wird. MSCI wird die Indizes stufenweise auf den Freefloat umstellen.

Der erste Schritt erfolgt nun Ende November dieses Jahres, der zweite Ende Mai 2002. Am Samstag veröffentlichte MSCI nur Pro-forma-Indizes auf Basis des Streubesitzes, die den Wandel bei den Barometern verdeutlichen sollen. Anleger könnten somit erkennen, welche Änderungen vorgenommen würden und welche Aus- wirkungen sie hätten, begründete MSCI das schrittweise Vorgehen.

Vor allem für Fonds, die die MSCI-Indizes nachbilden, sind die Änderungen bei den Kursbarometern von großer Bedeutung. Da die Märkte in der Regel vorausschauend handeln, rechnen Experten schon ab heute, Montag, an den Börsen mit Reaktionen. (mimo, Reuters,Der Standard, Printausgabe, 21.05.2001)

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