Tschad: Rege Beteiligung bei Präsidentschaftswahl

20. Mai 2001, 14:59
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Amtsinhaber Deby gilt als Favorit

N'Djamena - Rund 4,7 Millionen Wahlberechtigte im Tschad waren am Sonntag zur Wahl eines neuen Präsidenten aufgerufen. Als Favorit unter den sieben Kandidaten galt Amtsinhaber Idriss Deby, der das nordafrikanische Land seit 1990 regiert. Es wurde erwartet, dass der 49-jährige frühere Offizier bereits im ersten Wahlgang die zur Direktwahl erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Beobachter berichteten von einer hohen Wahlbeteiligung. Erste Hochrechnungen wurden noch am Abend erwartet, das offizielle Endergebnis etwa eine Woche später.

Gegen Deby treten unter anderem sein früherer Parteifreund Ibni Oumar Mahamat Saleh, der ehemalige Ministerpräsident Nouradine Delwa Kassire Koumakoye, der ehemalige Landwirtschaftsminister Saleh Kebzabo und der Politiker Abdelkader Wadal Kamougue an, der 1996 eine Stichwahl gegen den Amtsinhaber erzwang. Die Opposition wirft Deby vor, seit seiner Machtübernahme vor elf Jahren habe sich die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung weiter verschlechtert.

Geschlossene Grenzen

Deby war im Dezember 1990 mit einem Staatsstreich an die Macht gekommen. Er schuf zunächst einen Einparteien-Staat, ließ vor der Wahl 1996 jedoch mehrere Parteien zu. In die fünfjährige Amtszeit des künftigen Präsidenten fällt die Aufnahme der Ölförderung in Tschad. Die Öleinnahmen sollen ab 2003 insgesamt 25 Jahre lang durchschnittlich je 100 Millionen Dollar betragen. Auf Druck der Weltbank fließen 70 Prozent der Einnahmen in die Verbesserung von Gesundheitsdiensten, Bildung, Landwirtschaft und Infrastruktur und weitere zehn Prozent in einen Fonds für künftige Generationen.

Ab Samstag um Mitternacht blieben die Grenzen des fünft größten afrikanischen Landes geschlossen. In Tschad stationierte französische Truppen verteilten mit Flugzeugen, Hubschraubern und Geländewagen Wahlunterlagen an die Nomaden im dünn besiedelten Norden, wo sich seit mehreren Jahren Rebellen mit Regierungstruppen Gefechte liefern. (APA/AP)

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