Staatsanwalt fordert Höchststrafe für Ex-KZ-Aufseher Malloth

18. Mai 2001, 18:04
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Verteidigung plädiert auf Freispruch - Urteil frühestens am 28. Mai

München - Im Prozess gegen den früheren KZ-Aufseher Anton Malloth hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchten Mordes gefordert. Malloth habe eine "unermessliche Schuld" auf sich geladen, da er sich "willkürlich zum Herrn über Leben und Tod aufgeschwungen hat", sagte Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer am Freitag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht München. Im Übrigen müsse das Gericht ein Zeichen gegen jene setzen, die heute wieder der nationalsozialistischen Ideologie anhingen. Der 89-jährige in Tirol geborene Malloth muss sich seit Ende April vor dem Landgericht veranworten.

Er soll die Taten als SS-Aufseher im Gestapo-Gefängnis Kleine Festung Theresienstadt zwischen 1940 und 1945 begangen haben. Sein Verteidiger Ernst-Günter Popendicker plädierte dagegen auf Freispruch. Er zweifelte die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugen an.

Schwere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Staatsanwalt Kuchenbauer machte den deutschen Ermittlungsbehörden schwere Vorwürfe. Ihnen sei vorzuwerfen, dass es erst 56 Jahre nach Kriegsende zum Prozess gegen den früheren SS-Mann gekommen sei. "Es hat sich niemand für die Aussagen der noch lebenden Zeugen interessiert", sagte Kuchenbauer. Nach mehreren ergebnislos beendeten Ermittlungsverfahren hatte zuletzt die Staatsanwaltschaft Dortmund 1999 die Vorwürfe gegen Malloth zu den Akten gelegt. Der Prozess jetzt komme zwar spät, aber nicht zu spät, sagte Kuchenbauer. Es gehe um die Gerechtigkeit für Opfer, Hinterbliebene und Zeugen der Taten. Nur nach der neuen Aussage eines tschechischen Zeugen Ende 1999 war das neue Verfahren ins Rollen gekommen. Malloth wurde daraufhin in einem Altersheim bei München festgenommen. Vorher hatte er jahrelang unbehelligt in Österreich und Italien gelebt.

Unfassbare Gräueltaten

Die Aussagekraft der Zeugenvernehmungen stand im Mittelpunkt der Plädoyers. Dabei sahen sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung Malloth beim Vorwurf von zwei Morden als juristisch entlastet an. Malloth soll der ursprünglichen Anklages zufolge nach 1945 gemeinsam mit einem weiteren Aufseher einem Häftling befohlen haben, zwei Männer solange mit kaltem Wasser abzuspritzen, bis sie tot umfielen. Kuchenbauer sagte, dass die Aussage des einzigen Zeugen zu diesem Vorfall sich während des Prozess im Wesentlichen nicht bestätigt habe.

Dafür sah Kuchenbauer die Zeugenaussagen zu den beiden weiteren Tatkomplexen als glaubhaft an. In einem Fall soll Malloth im September 1944 einen jüdischen Gefangenen erschlagen haben, der sich nach der Rückkehr von einem Arbeitseinsatz falsch eingeordnet hatte. Dagegen bezweifelte Popendicker, dass der Mann als Folge der Attacke überhaupt starb. Malloth könne deshalb allenfalls schwere Körperverletzung vorgeworfen werden. Diese wäre inzwischen verjährt. Popendicker stellte außerdem einen zusätzlichen Beweisantrag, um die Aussage des einzigen Augenzeugen dieses Vorfalls als nicht glaubwürdig darzustellen. Über den Antrag soll nächste Woche entschieden werden.

Pro und Contra

Im September 1943 soll Malloth außerdem einen jüdischen Häftling mit einem Stock niedergeschlagen und mehrmals mit seiner Pistole auf den am Boden Liegenden geschossen haben, weil dieser einen Blumenkohlkopf gestohlen haben soll. Da nicht feststeht, ob der Mann tatsächlich starb, wird Malloth dafür versuchter Mord vorgeworfen. Hier sah Kuchenbauer ebenfalls die Schuld Malloths als erwiesen an, während Popendicker bestritt, dass sein Mandant überhaupt für die Tat in Frage kommt.

In beiden Fällen habe es sich um persönliche Exzesse des Angeklagten ohne Befehl von oben gehandelt, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er beantragte, auch eine besondere Schwere der Schuld festzustellen. "Stellen Sie die Gerechtigkeit, die der Angeklagte mit Füßen getreten hat, wieder her", appellierte Kuchenbauer an das Schwurgericht. Ein Urteil wird frühestens in zehn Tagen erwartet. (APA/dpa)

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