Deutschland: Geistlicher wegen Kirchenasyl verurteilt

18. Mai 2001, 14:06
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Geldstrafe auf Bewährung wegen Hilfe für kurdische Familie

Papenburg - Ein katholischer Geistlicher aus Papenburg, der einer kurdischen Familie in seiner Kirche Asyl gewährt hatte, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht der Emsländischen Stadt verhängte gegen den Pfarrer der St.-Josefs-Gemeinde wegen Beihilfe zum Verstoß gegen das Ausländergesetz eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 100 Mark (51,1 Euro/704 S). Die Strafe wurde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Der 61-jährige Geistliche kündigte nach dem Urteil Berufung gegen den Schuldspruch an. Die Verurteilung sei auch für die Kirchengemeinde sehr enttäuschend, sagte Pfarrer Gerrit Weusthof. In der nächsten Instanz erwarte man eine Entscheidung, die Gewissenfreiheit und Menschlichkeit als Werte achte. Das kurdische Ehepaar, dem die Kirchengemeinde 14 Monate lang Asyl gewährt, erhielt nach Angaben von Weusthof Ende 1999 eine Aufenthaltsbefugnis und lebt weiterhin in Papenburg.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte bereits im März 1999 Anklage gegen den Geistlichen erhoben, als sich das Paar noch in der Zuflucht der Gemeinde befand. Dabei sei es auch um die Frage gegangen, "ob es in der Kirche einen rechtsfreien Raum gibt oder nicht", sagte der Sprecher der Osnabrücker Anklagebehörde, Norbert Mayer. (APA/AP)

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