Tod in Würde statt Euthanasie

18. Mai 2001, 14:27
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Caritas-Direktor Michael Landau zu Karenz für Sterbebegleitung

Wien - "So wie Eltern ihre Kinder ins Leben begleiten, sollen die Kinder ihre Eltern am Ende aus dem Leben begleiten." Diesen Grundsatz im Zusammenhang mit der aktuellen Debatte um Sterbebegleitung statt Euthanasie formuliert der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau. Um dies zu ermöglichen, spricht sich Landau mit Nachdruck für die Einführung einer Karenzregelung für Sterbebegleitung aus. Zustimmung dafür haben alle vier Parlamentsfraktionen in Beantwortung eines Schreibens von Kardinal Franz König signalisiert. Ende Mai findet dazu eine Parlamentsenquete statt.

Landau formuliert im Gespräch mit dem STANDARD zwei Grundsätze zum Sterben in Würde, das durch die Karenzregelung möglich werden soll:

Keine Willkür bei der Sterbebegleitung. Es müsse daher einen Rechtsanspruch auf Karenz für Sterbebegleitung geben.

Sterbebegleitung dürfe nicht Privileg für begüterte Angehörige von Sterbenden werden. Während der Karenz müsse es daher eine "existenzielle Absicherung" auch für die Kassierin im Supermarkt geben. Um dies zu ermöglichen, sollte es Kündigungsschutz und Rückkehrmöglichkeit an den Arbeitsplatz geben.

Prinzipielle Zustimmung zum Vorstoß Landaus kam bereits vom Gesundheitsstaatssekretariat. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ist "aufgeschlossen". Als Präsident der Kinderkrebshilfe sieht er Handlungsbedarf für Arbeitnehmer mit schwer kranken Kindern. Normalerweise gewährt der Arbeitgeber unbezahlten Urlaub. Diese Möglichkeit sollte allen Betroffenen durch die Karenzregelung offen stehen. Bei der Enquete sollen die Möglichkeiten ausgelotet werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 5. 2001, ina)

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