Sein Name ist Garcia

23. Mai 2001, 02:16
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Die Reise eines serienreifen Designobjekts. Ein Sessel verlässt das Zimmer nur selten, geschweige denn die Wohnung bzw. das Büro. ...

Einer - sein Name ist Garcia - ist hingegen schon ziemlich herumgekommen. Für Sessel-Begriffe, versteht sich. Mal schmiegt er sich hündchenartig an die Kuchlkredenz oder sieht zur Tür hinaus, mal dreht er schmollend das Gesicht zur Wand oder lehnt lässig an der Ziegelmauer. Der Fotograf Udo Titz hat ihn begleitet und seine Stationen dokumentiert und damit dem kühlen Gerüst, das Garcia im Grunde ja ist, viel Charakter gegeben. Für Sessel-Begriffe.

Diese Bilder einer Sessellebens gibt es bis 17. 6. als Ausstellung im Design Showcase des Museums für Angewandte Kunst.

Geschichte

Die Geschichte hinter Garcia ist natürlich weniger verblümt. Er wurde im Zuge eines Wettbewerbs zum Thema stapelbarer Sessel entworfen, den das burgenländische Möbelbauunternehmen Braun Lockenhaus 1999 ausgeschrieben hatte. Die Jury, bestehend aus den Architekten Adolf Krischanitz und Gregor Eichinger, dem Designer Jasper Morrison und dem Braun Lockenhaus Geschäftsführer Lambert Gneisz, krönte den von Martin Mostböck geschaffenen Garcia im Februar 2000 zwar nicht zum Sieger, aber er wurde von Braun Lockenhaus zur Serienreife entwickelt. Martin Mostböck sieht das Einsatzgebiet von Garcia bei Veranstaltungen, weil er so ungeheuer stapelbar, eben "maximal flexibel" ist.

Reise

Garcias Reise gibt es als Ausstellung, um einerseits anzuzeigen, dass er jetzt als serienproduziertes österreichisches Designerstück auf dem Markt ist, und dass er andererseits in die Sammlung des Museums für angewandte Kunst aufgenommen wurde.

Es gibt noch eine Träne im Knopfloch. Garcia hat Charakter, aber er dürfte auch nerven. Fotograf Titz konnte nicht anders, als ihn nach monatelanger Zweisamkeit, Sessel-Roadmovie und 200 Bildern den Flammen zu übergeben.

(B.L.)

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