Bosnische HDZ weist Strafanzeigen gegen kroatische Amtsträger zurück

17. Mai 2001, 12:35
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"Politische Farce" soll Wirken der HDZ verhindern

Sarajewo/Belgrad - Die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) in Bosnien-Herzegowina hat die Strafanzeigen gegen drei frühere hohe bosnisch-kroatische Amtsträger als "unbegründet" zurück gewiesen. Die Strafanzeigen seien die "Spitze der politischen Farce" des bosnischen Verteidigungsministeriums. Es werde versucht, die Handlungsfähigkeit der HDZ zu unterbinden, hieß es in einer Aussendung der rechtsnational orientierten Partei.

Zudem wolle man mit den Strafanzeigen allen Kroaten, deren Meinung von der der föderalen Regierung abweicht, vermitteln, dass auch sie "beseitigt oder angeklagt" werden könnten, berichtete am Donnerstag die jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug.

Am Mittwoch hatte das Verteidigungsministerium der bosniakisch-kroatischen Föderation Strafanzeige gegen Ante Jelavic (früheres kroatisches Mitglied des Staatspräsidiums Bosniens), Miroslav Prce (Ex-Verteidigungsminister Bosniens) und Dragan Curcic (Vize-Chef der bosniakisch-kroatischen Armee) erstattet. Grund war die Anfang März von der HDZ eigenmächtig ausgerufene Autonomie in den mehrheitlich von Kroaten bewohnten Gebieten Bosniens und die Ankündigung, die Zentralregierung in Sarajewo nicht mehr anerkennen zu wollen.

Mit der Proklamation der Autonomie hatten kroatische Hardliner de facto das Abkommen von Dayton aufgekündigt und sich klar gegen den Kurs der Internationalen Gemeinschaft gestellt, die den Erhalt des gemeinsamen bosnischen Staates wünscht. HDZ-Chef Jelavic wurde auch vom internationalen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch seines Amtes enthoben.

Im 1995 unterzeichneten Dayton-Vertrag hatte sich die kroatische Seite verpflichten müssen, ihren während des Bürgerkrieges ausgerufenen Staat "Herceg-Bosna" aufzulösen. Mit dem Dayton-Vertrag wurde zwar die Souveränität des bosnischen Staates gewahrt, das Land wurde aber in zwei Gebietseinheiten geteilt: In die bosniakisch-kroatische Föderation (51 Prozent) und in die Serbische Republik. (APA)

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