UEFA-Boss Johansson: "Alaves? Die hätten sie doch nie mitspielen lassen!"

17. Mai 2001, 13:04
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"Herr Johansson, Sie hatten für 2002 ihren Rückzug vom Amt des Uefa-Präsidenten angekündigt. Jetzt wollen Sie im April nächsten Jahres eventuell doch wieder kandidieren. Woher der Sinneswandel?"

Johansson: "Ich habe meine Meinung nicht geändert. Eigentlich stehe ich zu meiner Aussage, dass ich in zwölf Jahren Arbeit für den internationalen Fußball in meinem Alter genug getan habe. Es ist Zeit, auf Wiedersehen zu sagen. Wenn andererseits das Exekutivkomitee mich zwei Mal inständig gebeten hat, noch eine Amtsperiode anzuhängen, kann ich das nicht ignorieren. Darüber muss ich nachdenken. Ich werde meine Entscheidung im Spätsommer bekannt geben."

"Was kann ihre Entscheidung beeinflussen?"

Johansson: "Am liebsten wäre mir, das Exekutivkomitee würde einen einzigen Kandidaten präsentieren. Dann bräuchte ich nicht mehr anzutreten. Wen es aber vier, fünf Kandidaten geben sollte... Die Einheit des europäischen Fußballs darf nicht zersplittern. Wir haben in der Exekutive harte Diskussionen gehabt, aber wenn eine Entscheidung gefallen war, ist diese von allen nach draußen vertreten worden. Es ist nicht immer leicht gefallen, die Interessen von 51 Ländern, von Groß und Klein auszugleichen. Das erfordert Erfahrung, Loyalität und Solidarität. Das dürfen keine leere Worte sein."

"Gerüchteweise wird Michel Platini als Kandidat gehandelt."

Johansson: "Offiziell hat er sich nicht beworben, aber es gibt ja immer wieder auch um fünf vor Zwölf noch Kandidaten. Ich habe Platini als Spieler bewundert. Ich habe Respekt vor ihm als Menschen. Er hat mich nie verletzt. Aber Präsident der Uefa zu sein, erfordert sehr, sehr viel Verwaltungs- und Büroarbeit. Bei meinen Kollegen aus dem Exekutivkomitee weiß ich aus jahrelanger Zusammenarbeit, dass sie diese beherrschen. Bei Michel Platini weiß ich das nicht."

"Sie haben vorgeschlagen, die Champions Leage wieder zu verkleinern..."

Johansson: "Ja, da habe ich einen Versuchsballon gestartet. Ich persönlich kann mich nicht damit abfinden, wenn ein Vizemeister Champion wird oder, wie im letzten Jahr, zwei Mannschaften aus demselben Land das Endspiel der Champions League bestreiten. Wir müssen den Uefa-Cup wieder aufwerten. Andererseits ist jetzt in den nationalen Ligen der Kampf um Platz zwei oder drei auch spannend geworden. Unsere Fachkommissionen müssen jetzt Lösungen erarbeiten. Klar ist: Die finanziellen Aspekte sind wichtig, damit die Klubs ihre Spieler angemessen bezahlen können. Aber die sportlichen Kriterien müssen determinierend bleiben."

"Die südeuropäischen Klubs wollen noch mehr Spieltage als die bisherigen 17. Befürchten Sie nicht, dass die Idee eines Turniers der Großen ohne sportliche Qualifikation doch wieder von der G14 forciert wird?"

Johansson: "Wer ist denn schon groß? Ajax war es mal, Milan, Liverpool kommen jetzt wieder... Ich bin strikt dagegen, auf sportliche Kriterien, auf Auf- und Abstieg zu verzichten. Schauen Sie sich Alaves an; die hätten die doch nie mitspielen lassen! Wir, die Uefa, respektieren alle Vereine, die Betonung liegt auf alle. Wir suchen den Ausgleich der Interessen. Wir hoffen, die G14 redet weiter mit uns. Aber wenn sie den amerikanischen Weg gehen und einen geschlossenen Kreis aufziehen wollen, sollen sie es tun."

"Eine abschließende Frage: Werden Sie in diesem Jahr dem FC Bayern den früheren Europapokal der Landesmeister aushändigen können?"

Johansson: "Ich weiß es nicht. Die Bayern spielen in diesem Jahr zwar nicht attraktiv, aber trotzdem toll. Ich hoffe nur, dass ich nicht wieder zwei Tore verpasse wie vor zwei Jahren in Barcelona, als ich kurz vor Schluss unter die Tribüne ging, um den Pokal zu holen...".

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