Druck auf Schweizer Nationalbank wächst

16. Mai 2001, 15:53
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SNB: Wir kennen die Erwartungen des Marktes"

Bern - Nach der neuerlichen Zinssenkung in den USA nimmt der Erwartungsdruck auf die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu, ihre Geldpolitik zu lockern. Diese bleibt aber bei ihrer optimistischen Einschätzung für die Schweizer Wirtschaft. Die Entscheidung der US-Notenbank (Fed) vom Dienstag, die Leitzinsen erneut um einen halben Prozentpunkt auf 4 Prozent zu senken, wird von der SNB - wie üblich - nicht kommentiert.

Was die Konjunktur in der Schweiz betreffe, so bleibe die SNB bei ihrer Beurteilung: Die Wirtschaft sei in guter Verfassung. Die Aussichten seien intakt, wenngleich die internationalen Risiken etwas zugenommen hätten. Die Inflationsgefahr habe abgenommen, weil der Ölpreis rascher als erwartet gesunken sei. Wegen dieser Kombination von konjunkturellen Risiken und tiefer Inflation hatte die SNB am 22. März ihr Zielband für den Dreimonate-Libor um ein Viertel Prozentpunkt auf 2,75 bis 3,75 Prozent gesenkt. Der Entscheid hatte die Finanzwelt überrascht.

Nachdem inzwischen die Europäische Zentralbank (EZB) und das Fed die Zinsen weiter zurückgenommen haben, wächst der Druck auf die SNB, ihre Geldpolitik erneut zu lockern. Abegg meinte dazu lediglich: "Wir kennen die Erwartungen des Marktes." Die SNB wird ihre geldpolitischen Richtlinien für das dritte Quartal am 14. Juni bekannt geben. Ökonomen gehen von einer weiteren Zinssenkung aus. "Im Juni steht auf jeden Fall eine Senkung um ein Viertel, möglicherweise sogar um einen halben Punkt an", bestätigte Nannette Hechler, Ökonomin bei Credit Suisse First Boston. Dies hänge von der Frage ab, wie stark sich die Schweizer Konjunktur im April abschwäche. (APA/sda)

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