Stiegenwaschen reicht nicht mehr

15. Mai 2001, 21:36
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Befragung: Bewohner wollen mehr Zusatzleistungen vom Hausbesorger, im Idealfall natürlich gratis

Wien - Schwere Getränkekisten in die Wohnung tragen, vielleicht auch noch ein paar Stockwerke ohne Lift, Kleidung in die Reinigung bringen oder diverse andere Botengänge erledigen. Das sind offensichtlich lästige Alltagsprobleme, die nicht nur das Herz älterer Mitbewohner belasten.

Wenig überraschend zwar, aber doch Ergebnis einer Befragung von Karmasin Motivforschung, im Auftrag der Firma Mischek. In einer Gruppendiskussion wurden Mieter über ihre Wünsche oder Vorstellungen interviewt, die mit dem Gedanken kokettieren, sich innerhalb der nächsten Zeit eine Eigentumswohnung anzuschaffen. Dass aber der Wunsch oft Vater des Gedankens ist, zeigt sich bei den beschriebenen Lösungsansätzen.

Die Disskussionsteilnehmer wurden mit der Vorstellung konfrontiert, es gäbe einen Wohnbau, in dem Zusatzleistungen zur Erleichterung des Alltags angeboten würden.

Gelungene Mischung

Im Idealfall, geht es nach den Wünschen der Eigentümer in spe, existiert dann eine Mischung aus Portier und persönlichem Sekretär. Großes Interesse wurde an Tätigkeiten angemeldet wie bei Abwesenheit die Post übernehmen, die Handwerker in die Wohnung zu lassen, "informieren, wenn man persönlich nicht da ist", oder auch ganz einfach jeden daran zu erinnern, welche Termine er wahrzunehmen hat.

Zusätzlich könnte der Hausbetreuer Zustelldienste speziell für ältere Leute übernehmen, oder Pflege und Besuchsdienste organisieren.

Weder Einigkeit noch großes Interesse bestand dagegen in der Frage, wie solche Leistungen honoriert werden sollten. Für Dienste wie Postannahme, Schlüsselverwaltung oder Vermittlungsfunktionen könnten sich die Befragten vorstellen, einen Betrag zwischen 100 und 200 Schilling im Monat zu bezahlen. Im Ergebnistext der Befragung heißt es aber: "Es tritt natürlich eine Diskrepanz hinsichtlich der Häufigkeit und Anzahl der in Anspruch genommenen Dienste auf."

Offensichtlich sind also diejenigen, die solche Zusatzleistungen nur sporadisch in Anspruch nehmen wollen, mit der Höhe dieser monatlichen Pauschale unzufrieden. Dass mit 200 S im Monat aber wahrscheinlich kein Hausmeister aus seiner Wohnung gelockt wird, dürfte auf der Hand liegen. "Ein guter Geist will auch entlohnt werden", meint Michaela Mischek. (DER STANDARD, Print-Ausgabe 16. 5. 2001)

Von Ernst Eichinger
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