"Ein gewisser Herr Erich Loewy . . . "

15. Mai 2001, 21:06
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FPÖ findet Ehrung für den weltweit anerkannten Bioethiker "peinlich"

Klagenfurt - Kommenden Donnerstag soll dem weltbekannten Mediziner und Bioethiker Erich Loewy in Villach der Paracelsus-Ring verliehen werden. Um den gebürtigen Österreicher jüdischer Herkunft, der 1938 mit seiner Familie vor den Nazis in die USA geflüchtet ist, gibt es bereits im Vorfeld politische Gefechte. Denn Loewy hat in seiner (dem STANDARD vorliegenden) Dankesrede eine teils bittere und aus seinen Erfahrungen heraus berührende Abrechnung mit dem schwarz-blauen Österreich und besonders mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider vorbereitet.

In seinem Entwurf wirft Loewy, der heute an der University of California lehrt und sich intensiv mit der Rolle der Medizin im Dritten Reich auseinander setzt, Haider vor, "Antisemitismus und Fremdenhass" zu schüren. In Österreich drohe "wieder das Aufflackern einer neuen Art des altbekannten Hasses, eine Intoleranz gegen alles und ein Unterdrücken von allem, was anders ist oder anders denkt." Und Loewy fragt: "Haben wir denn überhaupt kein Gedächtnis, keine Scham?"

FP-Klubobmann Martin Strutz sprach von "peinlichen Auszeichnungen" der Stadt Villach. "Nach einem gewissen Primarius Wurst und dem NS-Mitglied Erwin Frühbauer jetzt ein Herr Erich Loewy dran, der außer ungeheuerlichen, persönlichen Diffamierungen des Kärntner Landeshauptmannes und Österreich-Beschimpfungen nicht viel aufzubieten hat." Villachs Bürgermeister Helmut Manzenreiter bezeichnete die Strutz-Äußerung als "primitiv". (stein, DER STANDARD, Print-Ausgabe 16. 5. 2001)

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