Dürrenmatt in Cannes

15. Mai 2001, 16:20
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Beifall für Sean Penns "The Pledge" mit Jack Nicholson

Cannes - Mit der Verfilmung eines Dürrenmatt-Krimis steht US-Regisseur und Schauspieler Sean Penn im Wettbewerb um die Goldene Palme des 54. Filmfestivals in Cannes. "The Pledge" (Das Versprechen) spielt in den verschneiten Bergen Nevadas, wo der eigentlich pensionierte Detective Jerry Black mit aller Gewalt einen Mädchen-Mörder sucht. Er selbst will nicht mehr vor der Kamera stehen. "Ich will kein Schauspieler mehr sein, ich habe den Spaß daran verloren", wird Penn in der französischen Tageszeitung "Nice Matin" zitiert. Seine jüngste Regiearbeit brachte Penn viel Lob.

Nicholson ist als störrischer Polizei-Rentner

Jack Nicholson ist als störrischer Polizei-Rentner zu sehen, der es noch einmal wissen will. Sean Penns jüngstes Werk wurde in Cannes am Dienstag von der Kritik mit viel Beifall aufgenommen. In den USA hat der Film mit dem beunruhigenden psychologischen Untergrund 20 Millionen Dollar (22,8 Mill. Euro/314 Mill. S) eingespielt und Penn viel Kritiker-Lob gebracht.

Produzent Michael Fitzgerald hatte Sean Penn für dessen dritten Film den "schwarzen" Roman "Das Versprechen" des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt nahe gelegt. Ehe Dürrenmatt 1957 diesen Kriminalroman veröffentlichte, hat es den Stoff bereits als Drehbuch und Film mit psychologischem Raffinement gegeben: In "Es geschah am helllichten Tag" (Regie: Ladislao Vajda) mit Heinz Rühmann als Kommissar Matthäi lockt Gert Fröbe als freundlicher Riese kleine Mädchen mit Geschenken und Spielen an, um sie dann zu ermorden.

Kein Happy End

Sean Penn lässt in seinem Streifen den von seinem Ziel besessenen Detektiv wie wahnsinnig nach dem Mörder suchen. Um ihn zu finden, wie er es den Eltern des letzten Opfers heilig versprochen hat, riskiert Jerry Black sogar das Leben der Tochter seiner Freundin. Seine Spur ist richtig. Doch am Ende steht er allein da und ist dem Wahn nahe. Ein Happy End gibt es nicht. Das Buch sei bei Sean Penn in den besten Händen gewesen, sagte Charlotte Kerr, die Witwe des 1990 gestorbenen Dürrenmatt, am Dienstag in Cannes. Die erste Verfilmung hatte dem Schriftsteller nicht gefallen, weil der Täter gefasst wurde. (APA/red)

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