Deutsche Atomindustrie unterzeichnet Ausstiegsvereinbarung im Juni

15. Mai 2001, 15:44
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Bis 2005 noch jährlich 100 Atom-Transporte erwartet

Dresden - Ein Jahr nach dem vereinbarten Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland wird die deutsche Stromwirtschaft voraussichtlich noch im Juni den Atomkompromiss unterzeichnen. Der Ausstieg sei für die Branche zwar sehr schmerzlich, bei der derzeitigen politischen Konstellation aber ohne Alternative, sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Gert Maichel, am Dienstag auf der Jahrestagung "Kerntechnik 2001" in Dresden. Die Stromwirtschaft halte den Ausstieg weiterhin für falsch.

Er sei jedoch nicht unumkehrbar, da Gesetze auch wieder geändert werden könnten, sagte Maichel. Die deutsche Bundesregierung hatte am Sonntag die Fertigstellung einer Gesetzesnovelle zur Abkehr vom Atomstrom bestätigt. Der Entwurf soll nach der endgültigen Unterzeichnung der ihr zu Grunde liegenden Vereinbarung mit der Stromwirtschaft vorgelegt werden. Der Bundestag könnte das Atomausstieg-Gesetz damit noch in diesem Jahr beschließen.

Letzter Atom-Meiler schließt in 22 Jahren

Laut Gesetzestext würden die letzten deutschen Atom-Meiler in etwa 22 Jahren ihren Betrieb einstellen, sagte Maichel. Für die insgesamt 19 noch arbeitenden Kernkraftwerke in Deutschland sind so genannte Reststrom-Mengen vorgesehen, die diese bis zur Stilllegung ins Netz stellen dürfen. Erste Vorbereitungen zum Abriss von Kraftwerken würden bereits getroffen, sagte Maichel. Eine "Einmottung" der Meiler sei nicht vorgesehen.

In jedem Fall sei mindestens noch bis 2005 mit jährlich 80 bis 100 Atom-Transporten zu den Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield (Großbritannien) und La Hague (Frankreich) zu rechnen. Ab dem 1. Juli 2005 soll die Entsorgung radioaktiver Abfälle dann auf die direkte Endlagerung beschränkt werden. Erst in der Nacht zu Dienstag war ein Atommülltransport aus den Kraftwerken Stade in Niedersachsen und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein mit Ziel La Hague gestartet. (APA/dpa)

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