Der heurige Sommer steht ganz im Zeichen des Maikäfers

15. Mai 2001, 09:40
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Patentrezept zur Prävention gibt es nicht

Wien - Er schwärmt meist zwischen der zweiten Aprilhälfte und den ersten Maiwochen in großer Zahl aus, hält sich vorwiegend an Waldrändern, in Gärten und Wiesen auf und hat in der Regel unstillbaren Appetit auf Laubbäume - Die Rede ist vom "Melontha melontha", wie er in der botanischen Fachsprache genannt wird. Obwohl der Maikäfer und seine Larven in Österreich Mitte der neunziger Jahre regional eine Dichte von 120 Stück pro Quadratmeter erreicht hatte, ist im heurigen Jahr "Ruhe" eingekehrt.

Bestand über die Jahre hinweg aufrechterhalten

Trotz der gezielten Bekämpfung durch den Menschen unter Verwendung von Plastiknetzen, aber auch durch seine natürliche Feinde wie etwa Krähen, Stare, Störche oder Maulwürfe hat der Maikäfer seinen Bestand über die Jahre hinweg aufrechterhalten. "Der heurige Sommer steht jedenfalls ganz im Zeichen des Maikäfers - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das Obere Drautal, aber auch das Salzkammergut und die Südsteiermark können bereits ein Lied davon singen", erklärte Peter Cate vom Forschungzentrum für Pflanzenschutz in Wien .

Je trockener und wärmer - umso mehr Maikäfer

"In der Regel ist die Zahl der Maikäfer auf den Witterungszeitpunkt vor vier Jahren zu errechnen. Grundsätzlich ist nämlich die Ausbreitung der Insekten von den klimatischen Bedingungen abhängig", so Cates Kollege Harald Berger. Je trockener und wärmer die Temperaturen vor vier Jahren waren, umso höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass das darauffolgende ein starkes Maikäferjahr wird. Die wesentlichste Konstante sei jedoch der Lebenszyklus der Insekten, der ungefähr drei Jahre beträgt.

Engerling braucht oft vier Jahre

"In Relation zu seiner verhältnismäßig kurzen Lebenszeit, die etwa vier bis sechs Wochen dauert, braucht der Engerling bis zu vier Jahren, bis aus ihm ein flugfähiger Käfer wird. Dazu vergräbt sich die Larve in knapp einem Meter Tiefe in der Erde, wo sie sich eine Höhle, die sogenannte 'Puppenwiege' baut", erläuterte Berger. In diesem Reifungsprozess beginnt schließlich "das große Fressen" - ein Grund, weshalb der Maikäfer bei Landwirten so verrufen ist. Zu seinen "Leibspeisen" gehören neben Gras, Getreide und Erdapfelwurzeln auch Obstbaumplantagen. Wählerisch ist er also nicht, wenn es darum geht, den Bauch zu füllen.

Patentrezept zur Prävention gibt es nicht

Das Schlemmen zieht natürlich große Nachteile mit sich. Besonders für die heimische Landwirtschaft wären die letzten Jahre ein Problem gewesen, da ganze Weingärten unter der Eierplage litten. Am stärksten betroffenen waren das Kärntner Gailtal sowie das Unterinntal in Tirol. "Ein Patentrezept zur Prävention gibt es nicht. Faktum ist, dass die gefräßigen Flieger jede Region heimsuchen können, in der optimale Brutbedingungen vorherrschen, um saftig grüne Wiesen in braune Teppiche zu verwandeln", so Berger abschließend.(APA)

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