Austern am Rande des Nervenzusammenbruchs

14. Mai 2001, 14:13
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Als Folge von Stress tragen sie Bakterien mit sich

Roscoff - Französische Biologen haben festgestellt, dass Austern auf Zuchtstationen Stress empfinden können und deshalb krankheitsanfälliger sind. Arnaud Lacoste und Kollegen der Station Biologique Roscoff maßen bei jungen Farm-Austern (Crassostrea gigas) die Mengen des Stresshormons Noredralin, wenn sie dem alle zwei Monate üblichen Sortieren und Transportieren ausgesetzt waren. Dadurch wird ihr Immunsystem geschwächt, so die Forscher.

Das geschwächte Immunsystem der gestressten Austern war deutlich anfälliger für Krankheitserreger wie das Bakterium Vibrio splendidus, das die Forscher injizierten, heißt es im Fachblatt Applied and Environmental Microbiology. Damit sind die Tiere eine Gefahr für sich selbst und andere Meerestiere, etwa ihre natürlichen Fressfeinde. Grassierende Krankheiten vernichten auf manchen Austern-Farmen gelegentlich bis zu 80 Prozent des Bestandes. Zu den Vibrio-Bakterien gehört aber auch der Cholera-Erreger V.cholerae, der beim Menschen Krankheiten auslösen kann.

Die Forscher um Lacoste simulierten in rotierenden Trommeln das Rütteln des Sortiervorgangs. Gerüttelte Austern produzierten deutlich mehr Stresshormon und sie verendeten öfter. Ungerüttelte Austern, denen man aber Noredralin injiziert hatte, waren ebenfalls weit empfänglicher für das Bakterium als üblich. Bisher war eine Stressanfälligkeit nur von Fischen in Zuchtstationen bekannt. Krankheitsverluste auf Austernfarmen schrieb man Umweltfaktoren wie Verschmutzung oder erhöhter Meerestemperatur zu. Die Erkenntnis könnte auf Zuchtfarmen große wirtschaftliche Verluste durch grassierende Krankheiten vermeiden. (pte)

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