Russland: USA streben nach "Weltherrschaft"

11. Mai 2001, 15:46
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US-Delegation erntet in Moskau kein Verständnis für Raketenplänen

Moskau - Eine hochrangige US-Delegation hat am Freitag in Moskau vergeblich für Washingtons umstrittene neue Verteidigungsstrategie geworben. Der Sprecher des russischen Außenministeriums sagte im Anschluss an eine Unterredung, die vom stellvertretenden US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz geleitete Delegation habe offenbar nicht die richtigen Argumente vorgetragen. Es habe mehr Fragen als Antworten gegeben. Die Delegation habe nicht überzeugend erklären können, warum die USA den aus dem Jahr 1972 stammenden ABM-Abrüstungsvertrag mit Russland aufkündigen wollten. Es war das erste direkte Gespräch beider Seiten zu dem Thema.

Die russische Regierung lehnt die neuen Verteidigungspläne der USA und insbesondere das geplante Raketenabwehrsystem entschieden ab. US-Präsident George Bush rechtfertigt den Plan mit der Notwendigkeit, sich vor potenziellen Angriffe aus Staaten wie Nordkorea, dem Irak oder dem Iran schützen zu müssen.

Streben nach "Weltherrschaft"

Für Moskau ist der von Washington in Frage gestellte ABM-Vertrag der Angelpunkt der beiderseitigen Beziehungen. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Andrej Nikolajew, wirft den USA vor, mit den Raketenabwehrplänen nach der "Weltherrschaft" zu streben. Analysen russischer Experten hätten gezeigt, dass die von den USA behauptete Bedrohung durch Raketen "Besorgnis erregender Staaten" nicht vorhanden sei. Der Raketenschild richte sich in Wirklichkeit gegen Russland und China.

Die russische Delegation bei den Gesprächen in Moskau wurde vom ersten stellvertretenden Außenminister Wjatscheslaw Trubnikow geleitet. Am Mittwoch und Donnerstag hatte Wolfowitz das umstrittene Raketenschutzschild-Projekt in Berlin vorgestellt.

Nach russischer Darstellung habe ein US-Delegationsmitglied erklärt, allein der Beginn des Dialogs sei ein "Zeichen des Fortschritts". Stephen Hadley, stellvertretender Sicherheitsberater von US-Präsident George Bush wurde von Interfax mit den Worten zitiert, die erste Runde der Gespräche sei "gut und gründlich" verlaufen. "Wir möchten den Dialog fortsetzen, unsere Position darstellen und hoffen dabei auf das Verständnis der russischen Seite", so Hadley. Die Gespräche über die amerikanischen Raketenabwehrpläne sollen in den kommenden Wochen fortgesetzt werden, unter anderem bei einem Gipfeltreffen Bushs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. (APA/dpa)

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