Ein Attentat aus Rache

11. Mai 2001, 14:13
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Golfkrieg-Veteran McVeigh fasste im zivilen Leben nicht Fuß

Washington - Timothy McVeigh zeigt keine Reue. Das Attentat auf das Behördengebäude in Oklahoma City, für das der ehemalige Soldat am kommenden Mittwoch hingerichtet werden soll, sieht er als legitime Vergeltungsaktion. Mittlerweile hat er zugegeben, dass er den Anschlag aus Rache für zwei Polizeiaktionen gegen mutmaßliche Rechtsextremisten verübte, bei denen Unschuldige ums Leben kamen. Die 19 Kinder, die von seiner Bombe zerfetzt wurden, tut er als "Kollateralschaden" ab. Das Attentat, sagt einer seiner Golfkriegs-Kameraden, "war für ihn nur eine weitere militärische Mission".

McVeigh stammt aus Pendleton im Bundesstaat New York, einem kleinen Ort, in dem die Kinder noch draußen spielen statt nur vor dem Fernseher zu sitzen. Als er sieben Jahre alt war, brachte ihm sein Großvater das Schießen bei. Seine Eltern stritten sich oft und ließen sich scheiden, als er 16 Jahre alt war. Weil ihm nichts Besseres einfiel, ging er mit 20 zur Armee.

"Bester Soldat"

Im Golfkrieg galt McVeigh laut seinen Kameraden als "bester Soldat" der Kompanie. Doch bei der Elite-Einheit "Green Berets" wurde er nicht genommen. Frustiert nahm er 1991 seinen Abschied. Danach zog der Veteran ohne College-Abschluss ziellos durchs Land, von Waffenshow zu Waffenshow, ohne Job, ohne Freundin, nach Angaben eines Psychiaters tief deprimiert.

Schon während seiner Zeit beim Militär interessierte sich McVeigh für den "Survivalism", ein Leben unabhängig von der modernen Gesellschaft und ihren Institutionen, allein mit der Natur. Er verschlang die "Turner Diaries", einen rassistischen Roman über einen Bombenanschlag auf das FBI-Gebäude in Washington. Währenddessen festigte sich sein Hass auf die US-Regierung.

Sorgfältig vorbereiteter Racheakt

1992 belagerte die US-Bundespolizei FBI das Haus des Separatisten Randy Weaver in Ruby Ridge im Bundesstaat Idaho und erschoss dabei dessen Frau und Kind. 1993 stürmten Beamte des Bundesbehörde für Alkohol und Waffen das Anwesen des Sektenführers David Koresh im texanischen Waco. Rund 80 Menschen starben, darunter 22 Kinder.

Seinen Racheakt bereitete McVeigh über neun Monate hinweg sorgfältig vor. Mit Hilfe seines Komplizen Terry Nichols kaufte er tonnenweise Dünger zur Herstellung der Bombe, die er am 19. April 1995 in einem gemieteten Lastwagen der Firma Ryder nach Oklahoma City fuhr. Gegen 9.00 Uhr stellte er das Fahrzeug vor dem Murrah-Gebäude ab, zündete den Sprengsatz und rannte davon. Eine Stunde später wurde er festgenommen. Im Sommer 1997 wurde er zum Tode verurteilt. (APA)

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