Berlusconi will Italien zu engstem Verbündeten der USA machen

10. Mai 2001, 21:17
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Ablehnung des Kyoto-Protokolls - Bericht über Unterstützung von Thatcher

Rom - Der konservative Spitzenkandidat bei der italienischen Parlamentswahl am Sonntag, Silvio Berlusconi, will bei der Übernahme der Regierungsverantwortung sein Land zum "engsten Verbündeten und Freund" der USA in Europa machen. In einem Interview am Donnerstag sagte er außerdem, unter seiner Regierung werde es "mehr Enthusiasmus" für die EU-Integration und eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik geben.

Berlusconi berichtete außerdem von einem Brief der früheren konservativen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, in dem diese ihn vor Angriffen aus dem Ausland in Schutz nehme. Nach seinen Worten schrieb Thatcher: "Es ist nicht der erste europaweite Versuch, Wähler eines Landes unter Druck zu setzten. Es könnte sich aber als der letzte derartige Versuch herausstellen, wenn Italien sich weigert, die Knie zu beugen."

"Kyoto hätte verheerende Folgen für Wirtschaft und Beschäftigung"

Laut Medienberichten erklärte sich Berlusconis Bündnis "Haus der Freiheit" auch gegen das von der US-Regierung abgelehnte Klimaschutz-Abkommen von Kyoto. "Während die Inkraftsetzung des Kyoto-Abkommens nur geringe Effekte für die Umwelt haben würde, hätte sie verheerende Folge für Wirtschaft und Beschäftigung", heißt es in einer von italienischen Medien zitierten Erklärung des Bündnisses.

Berlusconis Aussagen zur Umweltpolitik stießen auf heftige Kritik des Spitzenkandidaten des regierenden Mitte-Links-Bündnisses, Francesco Rutelli. "Das Kyoto-Protokoll muss hartnäckig verteidigt werden. Die Position der USA muss bekämpft werden, daher ist es wichtig, dass die EU geschlossen ihre Linie verteidigt", sagte Rutelli.

Berlusconis Aussagen lösten auch Entrüstung bei Umweltschutzverbänden aus. "Bereits 1994 sagte Berlusconi, dass der Treibhauseffekt eine Einbildung sei. Auf internationaler Ebene ist der Oppositionschef heute eine der wenigen Personen, die die Gefährlichkeit der Klimaänderungen nicht begreift", kritisierte Ermete Realacci, Präsident des Umweltverbands "Legambiente". Der Umweltschutzverband WWF warnte vor der Gefahr eines Berlusconi-Wahlsiegs die Umweltpolitik in Europa. "Berlusconi verteidigt die Position der USA und berücksichtigt keineswegs die Berichte der UNO-Wissenschaftler, wonach die Klimaveränderungen eindeutig eine Folge der menschlichen Aktivität sind", kritisierte der WWF. (APA/AP)

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