Alles falsch und frei erfunden

10. Mai 2001, 20:54
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Nur wenige Texte garantieren für so viel ungetrübten Informationsgehalt wie die Editorials in "NEWS". Diese Woche haben sich die Verfasser selbst übertroffen. Obwohl das Magazin nicht zum ersten Mal mit seinem 0,- öS Computer auf dem Cover hausieren geht - Blattsalat-Leser wurden schon am 4. Mai gewarnt - heißt es in der gestern erschienenen Nummer: Mit diesem Heft startet NEWS eine besondere Aktion: Jeder Leser erhält bei einer Abo-Bestellung einen Computer für 0,- Schilling Anzahlung. Sollten die megacoolen Magazintycoons den Überblick über ihre diversen Aktionen verlieren?

Darauf deutet der letzte Absatz dieses Editorials hin, wo sie sich zur Rache für die Kritik rüsten, die DER STANDARD am Formil-Deal geübt hat. Wie sehr der Erfolg der Verlagsgruppe NEWS weniger erfolgreichen Konkurrenten ein Dorn im Auge ist, zeigen die Mittel, zu denen etwa der "Standard" greift: So wurde vom "Standard" letzte Woche mehrfach die Meldung publiziert, NEWS plane (!) bezahlte Haider-Textbeiträge als Kärnten-Werbung zu veröffentlichen. Diese Meldung erfolgte ohne Recherche bei uns - sie ist frei erfunden und falsch.

Dazu sei zunächst festgestellt: Sollte "NEWS" geplant haben, bezahlte Haider-Textbeiträge als Kärnten-Werbung zu veröffentlichen, wäre das keinem Kritiker des Formil-Deals ein Dorn im Auge, sondern ein Ausdruck der Dankbarkeit dafür, dass der Kärntner Landeshauptmann den Deal nicht verhindert hat. Da eine solche Behauptung aber frei erfunden und falsch ist und weil gewisse in Kärnten gewälzte Pläne nun nicht mehr zum Tragen kommen dürften, darf die Öffentlichkeit wohl davon ausgehen, dass auch das doppelseitige Farbkunstwerk in "NEWS" Nummer 16 vom 19. April 2001 mit dem Haider-Textbeitrag Kärnten blüht auf - Jörg Haider Landeshauptmann weder als Inserat bezahlt und noch von "NEWS" geplant war, sondern auf eine ungeklärte Weise, über die wir uns gar kein Urteil anmaßen, in das Magazin geflutscht sein muss. So etwas kann schon vorkommen.

Was nicht stattgefundene Planungen betrifft, existiert ein Projektantrag vom 24. April 2001, verantwortlich: Kärnten Marketing GmbH/Prok. Gerhard Krispl. Darin heißt es: Projektbeschreibung: Massgeschneiderte Werbeaktion in Kooperation mit der Verlagsgruppe NEWS. Der Start der Print-Kampagne ist mit 9. Mai 01 geplant. Die Kampagne erfasst Gesamtösterreich mit einer Auflage von 3,3 Millionen (Haushaltsabdeckung) und beinhaltet eine 20-seitige Berichterstattung über eine Dauer von 5 Wochen. Redaktionell aufbereitete "Kärnten Botschaften" werden 5 Wochen lang auf jeweils 4 Seiten in Abstimmung mit der Kärnten Marketing GmbH präsent sein. Gesamtkosten: ATS 4.000,000,-. Erwarteter Nutzen unter anderem: Durch die redaktionelle Berichterstattung wird eine massive Präsenz der Dachmarke Kärnten gewährleistet.

Damit alles seine Ordnung hat und das Licht der Wahrheit die Dichter des Editorials angemessen bestrahle, nehmen wir nun das Protokoll der Sitzung des Kärntner Dachmarkenbeirates vom 26. April 2001 zur Hand, wo es heißt: Herr Schöndorfer eröffnet die Sitzung kurz nach 14.00 Uhr und erklärt die Umstände der kurzfristigen Einberufung des DMB auf Wunsch der Kärnten Marketing GmbH. Prok. Krispl präsentiert das Projekt der Kooperation mit der Verlagsgruppe NEWS (Projektantrag liegt bei) . . . Nach eingehender Diskussion wird aufgrund der Qualität des Projektes und des gegebenen Zeitdrucks gegen die Stimme der Kärnten Werbung von den Vertretern des Landes Kärnten und der Wirtschaftskammer eine Unterstützung in der Höhe von einer Million Schilling beschlossen.

Und weiter unten heißt es: Es wird vereinbart, sehr rasch ein Redaktionsteam bestehend aus . . . zu bilden, um den Inhalt der NEWS-Inseratenserie festzulegen.

Diese Papiere lagen dem STANDARD vor, als er, weil ihm der Erfolg der Verlagsgruppe "NEWS" ein Dorn im Auge ist, seine Falschmeldung frei erfand, "NEWS" plane (!) bezahlte Haider-Textbeiträge als Kärnten-Werbung zu veröffentlichen. Von bezahlten Haider-Textbeiträgen als Kärnten-Werbung war im STANDARD freilich nie die Rede, diese Meldung erfolgte ohne Recherche bei uns - sie ist frei erfunden und falsch. Wir schrieben auch nicht, "NEWS" plane eine solche Aktion, sondern aus allen Berichten im STANDARD ging hervor, dass die Planung von Kärnten ausging. Wir berichteten sogar, dass die Kampagne doch nicht zustande kommen dürfte, weil noch Sponsoren fehlen.

Umso merkwürdiger mutet es da an, wenn "NEWS" den STANDARD attackiert, weil er über Kärntner Pläne informiert, die das Magazin ungeplant in dieselben hineingezogen hätten, aber kein Wort über jene Haider-Fans verliert, die sich frech für das Projekt einer millionenschweren Kampagne in Kooperation mit der Verlagsgruppe NEWS, Auflage 3,3 Millionen (Haushaltsabdeckung), mit redaktioneller Berichterstattung und einer NEWS-Inseratenserie eine Million bewilligen lassen, ohne vorher bei der Verlagsgruppe "NEWS" auch nur anzufragen, ob man dabei sein wolle.

Blauäugig, wie wir nun einmal sind, haben wir den Beschlüssen des Kärntner Dachmarkenbeirates Bedeutung beigemessen. Sollten der bewilligte Projektantrag und das Protokoll darüber Fälschungen sein, wird "NEWS" das ohne Zweifel rasch aufdecken. Dann bestätigen wir gerne: Die Fellners haben nie geplant, an der Förderung Jörg Haiders zu verdienen. Weder in "NEWS" noch in einer Haushaltsabdeckung mit redaktioneller Berichterstattung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2001)

Blattsalat von Günter Traxler
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