Wienerberger: Aufstand der Kleinaktionäre

10. Mai 2001, 15:00
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Nichtentsendung Erhard Schaschls in den Aufsichtsrat sorgt für Unmut

Wien - Für heftigen Unmut unter den anwesenden Kleinaktionären sorgte bei der Hauptversammlung der Wienerberger AG am Donnerstag die Art der Verabschiedung des langjährigen Generaldirektors Erhard Schaschl: Nachdem die Mehrheitseigentümer den scheidenden Vorstandschef nicht für den Aufsichtsrat nominiert hatten, forderten anwesende Aktionäre und (ehemalige) Aufsichtsratsmitglieder Aufsichtsratschef Gerhard Randa auf, Schaschl, der das Unternehmen 20 Jahre lang erfolgreich geführt hatte, doch in den Aufsichtsrat wählen zu lassen. Als der Bank Austria-Chef keinerlei Anstalten dazu machte, stimmte die Mehrheit der physisch anwesenden Kleinaktionäre in einem an die zehn Minuten andauernden Prozess gegen eine Verlängerung der Aufsichtratsmandate von Randa und CA-Chef Erich Hampel.

Dennoch wurden die Mandatsverlängerungen und Neubesetzungen im Aufsichtsrat mit Mehrheiten jenseits der 99 Prozent angenommen. Randa begründete nach mehrfacher Urgenz aus dem Publikum seine Entscheidung mit dem Wunsch, dem "neuen" Management unter dem bisherigen stellvertretenden Generaldirektor Wolfgang Reithofer eine "unbelastete" Arbeit ermöglichen zu wollen. In den Aufsichtsrat neu eingezogen sind je ein Vertreter der beiden Haupteigentümer Koramic und Bank Austria.

Firmenname verkürzt, Holding verschmolzen

Die Hauptversammlung beschloss die Vereinfachung des Unternehmensnamens von "Wienerberger Baustoffindustrie AG" auf "Wienerberger AG", um auch englischsprachigen Investoren die Chance zu geben, den Namen der Firma aussprechen zu können. Abgesegnet wurde auch die nach Eigenangaben rein administrativ motivierte Fusion von Wienerberger-Eigentümerholding und der operativen Wienerberger Baustoffindustrie AG.

Mitarbeiterbeteiligung

Beschlossen wurde ferner ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm, für das ein Teil jener 640.000 Aktien verwendet wurde, die das Unternehmen eigentlich für ein Managementbeteiligungsprogramm angekauft hatte, dessen Ziele nicht ereicht worden waren. Konzernmitarbeiter können im Herbst bei einer Behaltefrist von zwei Jahren bis zu 50 Aktien zu einem um 30 Prozent niedrigeren Aktienkurs erwerben. Weitere Aktienrückkäufe - genehmigt wären bis zu zehn Prozent - hat es bisher niocht gegegen, sagte der designierte Wienerberger-Boss Wolfgang Reithofer.

0,80 Euro Dividende beschlossen

Weiters wurde die vom Vorstand vorgeschlagene um 60 Prozent von 50 auf 80 Cent erhöhte Dividende beschlossen, die Auszahlung ist für 21. Mai angesetzt. Reithofer bezeichnete die höhere Ausschüttung als ersten Schritt auf dem Weg einer großzügigeren Dividendenpolitik. Als Zukunftsziel gab Reithofer "wenigstens" vier Prozent Dividendenrendite an.

Vorsichtiger Optimismus

In einem umfangreichen Referat bekräftigte Reithofer die guten Wachstumsaussichten des Unternehmens vor allem in Osteuropa und in den USA, für die man nun "vorsichtig optimistisch" sei. Teils sehr schwierig blieben die Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Turnaround-Potenzial allein für Deutschland bezifferte Reithofer mit mehr als "50 Mill. Euro EBIT". (APA)

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