Flanderns Innenminister Sauwens war seit 25 Jahren Mitglied des "Sint-Maartensfonds"

10. Mai 2001, 13:17
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Brüssel - Johan Sauwens, bis gestern Minister in der Regionalregierung von Flandern in Belgien, ist über eine Mitgliedschaft in einer Organisation gestolpert, die bereits in ihren Anfängen mit Legalitätsproblemen zu kämpfen hatte. 1951 von ehemaligen Kämpfern an der "Ost-Front", von Ex-Waffen-SS-lern und deren Familien unter dem Namen "Vlaams Verbond" gegründet, musste sie sich bereits ein Jahr darauf auf Grund juristischer Probleme wieder auflösen. Die Neugründung als "Sint-Maartensfonds" erfolgte 1953. Hauptaufgabe war die finanzielle und soziale Absicherung der Betroffenen und deren Angehörigen.

Das 50-Jahr-Jubiläum wurde trotzdem bereits heuer gefeiert. Die Teilnahme Sauwens an der Feier in Berchem nahe Antwerpen am vergangenen Samstag, an der auch - verdeckt - ein Journalist teil nahm, brachte die aktuelle Diskussion ins Rollen. Zu Tage kam, dass Sauwens nicht nur bereits einige Male zu Veranstaltungen des "Sint-Maartensfonds" gekommen war. Der Politiker ist seit 25 Jahren Mitglied der Organisation. Mittwoch Abend blieb ihm unter dem Druck des Parlaments sowie vieler Ministerkollegen nichts Anderes übrig, als seinen Rücktritt bekannt zu geben.

"Meine Ehre heißt Treue"

1.500 Personen sollen vergangenen Samstag nach Angaben des anonym bleiben wollenden Journalisten laut der belgischen Tageszeitung "Le Soir" (Donnerstag-Ausgabe) auf 50 Jahre "Sint-Maartensfond" angestoßen haben. Sauwens blieb demnach für zweieinhalb Stunden. Und er habe mit - durchwegs 70- bis 80-jährigen - ehemaligen Waffen-SS-lern - nach dem Zeugenbericht kräftig mitgesungen. Die Wand zierte laut Video, das in mehreren Zeitungen beschrieben wird, der in Österreich seit dem Parteitag der FP Niederösterreich im Juni 2000 weithin bekannte Waffen-SS-Spruch "Meine Ehre heißt Treue". Der niederösterreichische FP-Chef Ernest Windholz, der die Worte "Unsere Ehre heißt Treue" benutzt hatte, ist noch im Amt.

Stand zu Beginn die finanzielle Absicherung der SS-Veteranen, habe sich der "Sint-Maartensfonds" über die Jahre zur wichtigsten Organisation der ehemaligen Kämpfer an der "Ost-Front" entwickelt, erklärt Manuel Abramowicz, Betreiber der Internet-Seite Internet ResistanceS, in der Tageszeitung "La Libre Belgique". Der Fonds gliedere sich in sieben Sektionen: Aalst, Antwerpen, Kempen-Limburg, Mechelen, Waasland, Westland und Brüssel.

Das Mitteilungsblatt des "Sint-Maartensfonds" trägt den Namen "Berkenkruis". Dieses Symbol wurde auf den Gräbern von SS-Gefallenen an der russischen Front nieder gelegt. Die in dem Organ veröffentlichten Artikel unterstützen nach wie vor "die alten Ideen", unterstreicht Abramowicz.

Die Organisation steht laut dem flämischen Historiker Dirk Martin nicht nur in engem Kontakt mit Kreisen der ehemaligen Waffen-SS oder des Vlaams Nationaal Verbond, der während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland für eine Zusammenarbeit mit Deutschland votiert hatte. Verbindungen gibt es auch mit der Miliz des "Vlaamse Militanten Ordre" (VMO). Diese sich laut "Le Soir" außerhalb des Gesetzes bewegende Truppe hat vergangenen Samstag in Berchem den Ordnerdienst besorgt. (APA)

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