Weitere Staaten könnten Kyoto-Abkommen verlassen

9. Mai 2001, 21:46
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Japan, Australien und Kanada unter wirtschaftlichem Druck der USA?

Stockholm - Die Europäische Kommission schließt ein Abrücken weiterer Staaten vom internationalen Klimaschutzabkommen nicht aus, falls die USA an ihrem Nein zum Protokoll von Kyoto festhalten. Umwelt-Kommissarin Margot Wallström sagte Reuters am Mittwoch in Stockholm, für Staaten wie Japan, Australien und Kanada sei es wegen ihrer engen Wirtschaftsbeziehungen zu den USA "schwierig, die Amerikaner in dieser Frage nicht zu unterstützen". Dies würde die Umsetzung des Abkommens weiter erschweren.

Wallström äußerte sich dennoch zuversichtlich, dass die USA doch noch das Abkommen ratifizieren, das eine Reduzierung des weltweiten Schadstoff-Ausstoßes vorsieht. Die USA unter Präsident George W. Bush lehnen das Abkommen wegen angeblich negativer Auswirkungen auf die US-Wirtschaft ab. Wallström sagte, wann sich die USA doch noch zu dem Abkommen bekennen könnten, sei schwer voraus zu sagen. Das hänge von vielen Faktoren ab. "Es ist aber wichtig, dass wir ihnen (den USA) dabei helfen sich selbst aus dem Loch zu ziehen, in dem sie sitzen." Nach dem Rückzug aus dem Kyoto-Abkommen hatten die USA starke internationale Kritik auf sich gezogen.

In der 1997 im japanischen Kyoto geschlossenen Vereinbarung hatten sich die Industriestaaten verpflichtet, ihre Schadstoff-Emissionen bis 2012 weltweit um fünf Prozent zu reduzieren, gemessen am Stand von 1990. Damit soll eine Erwärmung des Weltklimas verhindert werden. Experten warnen bei einer fortschreitenden Erd-Erwärmung vor Hungersnöte und Überschwemmungen. Hoffnung auf Bonn

Viele der Unterzeichner-Staaten des Abkommens hoffen, dass auf dem bevorstehenden Welt-Klima-Gipfel im Juli in Bonn eine entscheidende Vereinbarung gefunden wird, damit das Abkommen wie geplant 2002 verabschiedet wird und in Kraft treten kann. Wallström warnte aber vor zu großen Erwartungen an die Bonner Konferenz. Viele Fragen des Abkommens seien noch offen, es sei nicht wahrscheinlich, dass in Bonn eine abschließende Entscheidung getroffen werde.

Um das Kyoto-Protokoll umzusetzen, müssen 55 Prozent der 110 Unterzeichnerstaaten das Abkommen ratifizieren. Diese Staaten müssen zudem für mindestens 55 Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstosses verantwortlich sein. Da die USA als weltweit größter Treibhausgas-Produzent allein etwa 25 Prozent der Schadstoffe ausstößt, macht der US-Ausstieg eine Umsetzung besonders schwierig. (Reuters)

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